München. „Sehen Sie mich an, ich werde bald 59 Jahre alt.“ Personalchef Ernst Baumann steht schlank und braun gebrannt in einem weißen Zelt, in dem BMW einen Gesundheitscheck für Mitarbeiter anbietet. Baumann appelliert an die Belegschaft, Sport zu treiben und sich gesund zu ernähren. Aus gutem Grund: Der Autohersteller braucht seine Beschäftigten länger als gedacht. Während sich der Personalvorstand aufgrund einer hausinternen Regel im Alter von 60 Jahren aus dem Unternehmen verabschiedet, muss ein großer Teil seiner Belegschaft bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten – alle, die nach 1964 geboren wurden.
Die Bundesregierung hat das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre erhöht und trägt damit dem demografischen Wandel Rechnung. Denn die Bevölkerung Deutschlands schrumpft – und altert zugleich. Derzeit leben hierzulande 82,4 Millionen Menschen. 2050 werden es nur noch zwischen 69 und 74 Millionen sein, hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelt. Das Durchschnittsalter der Deutschen, das 2005 noch 42 Jahre betrug, wird bis 2050 auf 50 Jahre steigen.
Diese Entwicklung wird sich bald in der Industrie bemerkbar machen: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat errechnet, dass die Zahl der Erwerbspersonen im Alter von 30 bis 49 Jahren von derzeit 23,3 Millionen bis 2020 auf 19,5 Millionen sinken wird. Parallel steigt die Zahl der 50- bis 64-Jährigen von elf Millionen auf 14,3 Millionen (siehe Grafik). „Die Belegschaften in deutschen Unternehmen werden älter, weil auch die Frühverrentung entfällt“, erklärt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Bereits Ende 2009 läuft die staatliche Unterstützung für den Vorruhestand aus.
Die Unternehmen sind alarmiert: „Das Thema muss man ernst nehmen. Für Katastrophenszenarien sehe ich aber keinen Grund“, sagt Audi-Personalchef Werner Widuckel. Laut Audi wird das durchschnittliche Alter der Mitarbeiter in den nächsten fünf Jahren von 40,5 auf 44,5 Jahre steigen. „Bei BMW liegt der Altersdurchschnitt der Belegschaft bei 40 Jahren“, so Baumann. „In zehn Jahren liegt der Schnitt um fünf Jahre höher.“ Der Zulieferer Behr geht davon aus, dass sich der Altersschnitt innerhalb von zehn Jahren von 41 auf 47 Jahre erhöhen wird. Bosch sieht denselben Wert 2020 auf sich zukommen.