Seoul. Das viel gescholtene Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Korea hat es den koreanischen Autobauern Hyundai und Kia in den vergangenen drei Jahren erlaubt, in Europa nochmals das Tempo ihrer Marktanteilsgewinne zu erhöhen - auf Kosten europäischer Volumenhersteller wie Peugeot, Citroen und Opel, aber auch auf Kosten von Ford und Volkswagen.
Der europäischen Automobilherstellerverband ACEA beklagt sich deshalb mit wachsender Verzweiflung über die ungleichen Wachstumschancen, die der neue Freihandel den Koreaner und Europäern bietet. In einem Segment allerdings legen umgekehrt die Europäer und insbesondere die deutschen Hersteller in Korea markant zu: Im Luxussegment.Seit zwei Jahren erlebt Korea einen deutlichen Aufwärtstrend für importierte Premium-Autos. Deren Segment-Anteil stieg zwischen 2011 und 2013 von 28 auf 41 Prozent. Derzeit endet damit in Korea eine jahrzehntelange Präferenz der Kunden für einheimische Luxusautos, die in Europa allesamt so gut wie unbekannt sind.Hauptursache ist das 2011 geschlossene Freihandelsabkommen. Es senkte die Importzölle auf europäische Importe von zuvor 8,0 auf 3,2 Prozent, bei importierten Neuwagen sanken die Zölle von 8,0 auf 4,0 Prozent. Nach mehreren Zwischenschritten wird es 2016 schließlich in Korea gar keine Zölle mehr auf Neuwagen geben.Deutsche Autobauer in Südkorea auf dem Vormarsch
In Europa beklagt sich die Autobranche mit wachsender Verzweiflung über die unaufhaltsam scheinenden Marktanteilsgewinne der koranischen Autobauer. In Korea jedoch sehen sich inzwischen auch Hyundai und Kia einer wachsenden Schar erfolgreicher Importeure aus Deutschland gegenüber - wenn auch nur in dem prestigeträchtigen Segment der Luxuswagen.
Erträge von Hyundai schmelzen dahin
Ein Beispiel ist Lee Tack Young, ein 65-jähriger Unternehmer aus der Kosmetik-Industrie. Jahrelang fuhr er die größten Schlitten made in Korea. Diesmal aber kaufte er sich zum ersten Mal einen Importwagen: Einen BMW 528i. Das Modell kostet in Korea 71 Millionen Won, rund 55.000 Euro.
Den Verzicht auf den üblicherweise anstehenden Kauf eines Hyundai K9 für 85 Millionen Won kommentiert Tack Young folgendermaßen: "Ich habe nach einem Wagen gesucht, der nicht mehr so groß ist und eine gute Qualität aufweist." Da sei er letztlich bei BMW fündig geworden. "So lange Hyundai und Kia nicht eine größere Vielfalt an Modellen und höhere Qualität anbieten, sehe ich keinen Grund, zu ihnen zurückzukehren."Gewinner in diesem Segment sind vor allem die deutschen Anbieter BMW, Mercedes und Audi. Sie legten allein im ersten Quartal diesen Jahres zusammengerechnet um 25 Prozent zu. In Punkto Volumen sind die Verkäufe der Ausländer zwar noch gering, doch bei den Gewinnen verlieren die Koreaner schmerzlich. Das liegt an der besonders hohen Bedeutung des Luxus-Segments für die Erträge der koreanischen Autobauer."Das ist zweifellos etwas, was Hyundai und Kia Sorgen macht", sagt Lee Sang Hyun, ein Automobilanalyst bei NH Investment & Securities. "Dieser Trend wird ganz siher einen negativen Effekt für die Gewinne des Hyundai-Konzerns haben."Mercedes A-Klasse läutet neue Runde der Eroberung ein
Die Rivalität wird noch zunehmen. Mercedes hat bereits angekündigt, auch seine neue A-Klasse in Korea auf den Markt zu bringen - damit sollen nun auch die zahlungskräftigen jungen Leute aus der wachsenden Mittelklasse für die deutsche Luxusmarke erobert werden.
Hyundai hat auf die Marktanteilsverluste in der Oberklasse bereits reagiert und die Preise zum Teil deutlich gesenkt. Ob das reichen wird, ist jedoch fraglich. Längst haben die Koreaner auch schon über die Schaffung einer eigenen Oberklasse-Marke nachgedacht, ähnlich wie nach dem Vorbild von Lexus oder Infiniti. Bisher jedoch lautete das Fazit immer noch, die eigene Stammmarke mit qualitativ hochwertigen und luxuriösen Modellen zu stärken."Die Kunden in der Oberklasse waren mehr als 20 Jahre lang loyal gegenüber den einheimischen Marken. Das ändert sich zur Zeit grundlegend," sagt Kim Pil Soo, ein Professor für Automobilwirtschaft am Daelim College und zugleich Regierungsberater in Automobilangelegenheiten. "Importmarken sind inzwischen bezahlbare Alternativen in Korea geworden."Kims Rat an die bedrängte einheimische Industrie: Hyundai müsse sein Händlernetz für wertige Automobile deutlich aufwerten und auch die bislang sehr hohen Servicekosten in diesem Segment senken. Sonst werde es schwierig, verlorene Kunden im Luxussegment zurückzugewinnen (unter Mitarbeit von Rose Kim)
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