Der Autobauer Daimler hat nach einem enttäuschenden dritten Quartal eine Gewinnwarnung herausgegeben. Neben geringeren Absätzen bei den Vans und Bussen nennt das Unternehmen vor allem zwei Gründe: Aufgrund einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs könnte es sein, dass Fahrzeuge, die noch mit dem alten Kältemittel R134a ausgerüstet sind, umgerüstet werden müssen. Zweitens verweist der Hersteller auf Aufwendungen im Zusammenhang mit laufenden behördlichen Verfahren im Zusammenhang mit Dieselfahrzeugen. Worum es sich dabei genau handelt, wollte eine Daimler-Sprecherin auf Anfrage der Automobilwoche nicht sagen. Damit dürften die Kosten für die Software-Updates gemeint sein, zu denen sich die Hersteller auf Druck der Politik verpflichtet haben. Zuvor hatte das KBA einen Rückruf für rund 700.000 Dieselfahrzeuge des Konzerns angeordnet. Zudem hat sich Daimler bereit erklärt, die Kosten für Hardware-Nachrüstungen für Autos in den 14 besonders stark belasteten Städten teilweise zu übernehmen.
Konkrete Zahlen nannte der Konzern nicht. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern soll aber in den Sparten Mercedes-Benz Cars und Mercedes-Benz Vans "deutlich unter Vorjahresniveau" liegen, das Gleiche gilt für das EBIT des gesamten Konzerns.
Daimler hatte statt des von der EU vorgegebenen umweltfreundlichen Kältemittels R-1234yf aus Sicherheitsgründen das alte Mittel R134a verwendet. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs könnten nun bis zu 133.000 Fahrzeuge umgerüstet werden müssen.
Sorgen bereiten auch Transporter und Busse. Die Transporter-Sparte erwartet im dritten Quartal einen Verlust von 93 Millionen Euro nach einem Gewinn von 214 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Auch hier gab es Probleme mit Dieselmotoren. Im Geschäftsfeld Busse wird mit einem leichten Rückgang des Ebit auf 30 Millionen gerechnet. Hier schwächeln nach Unternehmensangaben vor allem die Geschäfte in Argentinien und der Türkei. Einzig die Lastwagen-Sparte brummt: Dort gab es im dritten Quartal nach vorläufigen Zahlen einen Anstieg von 614 Millionen Euro auf 850 Millionen Euro.
Es ist bereits die zweite Gewinnwarnung des Konzerns in diesem Jahr: Im Juni hatte Daimler unter Verweis auf den Zollstreit zwischen den USA und China den Ausblick gesenkt. Zuvor war man von einem EBIT leicht oberhalb des Vorjahreswerts von 14,7 Milliarden Euro ausgegangen, damals hieß es, man werde wohl "leicht" darunter liegen. Diese Prognose wurde nun abermals korrigiert.
Die Daimler-Aktie gab nach der Gewinnwarnung am späten Freitagnachmittag um knapp drei Prozent nach. Am kommenden Donnerstag will Daimler die endgültigen Quartalszahlen veröffentlichen.
Angesichts der Probleme mit der Umstellung auf WLTP, sowie diversen Unsicherheiten haben in den vergangenen Monaten schon mehrere Unternehmen aus der Autobranche ihre Prognosen gesenkt. (Mit Material von DPA)
Daimler gab zudem vorläufige Quartalszahlen bekannt:
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Aus dem Datencenter:
Daimler-Bilanz im ersten Halbjahr 2018