Regensburg/Bordeaux. Bereits seit dem Jahr 2008 leben gemäß des United Nations Population Funds weltweit mehr Menschen in Städten als in ländlichen Gebieten. Parkplatzmangel, kurze Wege und steigende Verkehrsdichte, lassen Stadtbewohner verstärkt auf die Suche nach kostengünstigen Alternativen zum eigenen Auto gehen. Lösungen in Form von Carsharingangeboten und Fahrzeugflotten am Arbeitsplatz nehmen an Bedeutung zu. Ein digitaler Fahrzeugschlüssel von Continental, der drahtlos in ein Smartphone übertragen wird, sowie ein spezielles Dienstprogramm für das Mobiltelefon, können nach Ansicht des Zulieferers die spontane Anmietung von Leihfahrzeugen revolutionieren. Die Entwicklung könnte "innerhalb der nächsten drei Jahre Serienreife erhalten“, so ein Sprecher des Zulieferers gegenüber Automobilwoche.
Zusammen mit den Unternehmen Veolia, Evtronic, Mercur und Proxiway hat Conti nun einen Feldversuch mit zunächst einem Elektrofahrzeuge in Bordeaux gestartet. Wie groß die Flotte dann später wird, sei "noch nicht bestimmt“. Ziel ist eine Elektrofahrzeugflotte, die beispielsweise von verschiedenen kleineren und mittelgroßen Unternehmen im Carsharing genutzt wird. Zugang zum gewünschten Fahrzeug erhalten die Nutzer mit ihrem Smartphone. Zudem können die Flottenteilnehmer Schnellladestationen mit der Handy-App reservieren. Vom Autoschlüssel auf dem Smartphone über die Elektronik im Auto bis hin zum Flottenmanagement bringt der Zulieferer als Technologie-Partner in dem Projekt eine komplette Carsharinglösung auf die Straße. "Mit dem Smartphone haben die Nutzer der Elektrofahrzeugflotte in Bordeaux alles in einer Hand: Die Mietstation, den Autoschlüssel und die Ladesäule. Die Technik von Continental rund um den digitalen Schlüssel macht das System für Betreiber und Nutzer besonders komfortabel, einfach und flexibel“, erklärt Andreas Wolf, Leiter des Continental Geschäftsbereichs Body & Security.Continental testet digitalen Autoschlüssel
Herzstück des Carsharing-Systems ist der digitale Schlüssel von Continental, der seine Daten mit dem Fahrzeug über Near Field Communication (NFC) austauscht. Dafür schickt Continental vor jeder Fahrzeugnutzung verschlüsselt einen fälschungssicheren Datensatz auf das Mobiltelefon, der auf der SIM-Karte gespeichert wird. Er enthält die Zugangsberechtigung zum jeweiligen Fahrzeug. Via NFC-Technologie überträgt das Mobiltelefon die Daten (Authentifizierung, Fahrzeug- und Diagnosedaten und Nutzerprofil) über eine Distanz von wenigen Zentimetern an ein NFC-Lesegerät, welches an der Windschutzscheibe des Fahrzeugs integriert ist. Der Empfänger im NFC-Lesegerät verifiziert nicht nur den Zugang zum Fahrzeug, sondern auch die Erlaubnis zum Motorstart.
Die Entscheidung für Bordeaux im Südwesten Frankreichs ist nach Angaben des Zulieferers neben der Nähe zu den französischen Partnerunternehmen auf die dort gut ausgebildete NFC-Infrastruktur zurückzuführen. Im vergangenen Jahr hatte Continental bereits einen Flottenversuch zum Thema digitaler Autoschlüssel im französischen Toulouse durchgeführt. Damals allerdings noch mit konventionell angetriebenen Fahrzeugen.Das Mobiltelefon als Fahrzeugschlüssel soll vor allem für mehr Flexibilität sorgen. Die Nutzer können die Fahrzeuge ganz spontan innerhalb weniger Sekunden anmieten und die Schlüsseldaten einfach auf das Mobiltelefon laden. "Neue Mobilitätskonzepte gewinnen weltweit an Bedeutung. Unsere abgesicherten End-to-End-Systemansätze für den komfortablen Fahrzeugzugang und -start via Smartphone sind ein wichtiger Beitrag, um diesen Trend zu unterstützen. Mit unserer Technologie ermöglichen wir kosteneffiziente Lösungen die für die Nutzer intuitiv und leicht zu bedienen sind“, so Wolf.Eine spezielle App für das Smartphone macht die Anmietung eines Fahrzeugs aus der Carsharingflotte möglich. Mit dem Dienstprogramm kann der Nutzer die Fahrzeuge im Stadtgebiet finden, auswählen und reservieren. Anschließend übernimmt das Smartphone sogar die Navigation zum Standort des Wagens. Auch ganz spontan lässt sich ein Fahrzeug anmieten: Sobald man sein Mobiltelefon an einen freien Wagen hält, wird nach Prüfung der Verfügbarkeit auf dem Server ein digitaler Schlüssel generiert und auf das Smartphone übertragen. Im Auto schaltet dieser digitale Schlüssel den Wagen frei, die App fragt je nach Programmierung noch einige Eckdaten zum Fahrzeugzustand ab und wird danach zum komfortablen Navigationssystem. Nach den gleichen Prinzipien können die Nutzer mit der Handy-App eine Ladesäule reservieren, sich per NFC mit Ihrem Mobiltelefon identifizieren und den Schnellladevorgang starten.