Friedrichshafen/Nürnberg. Der ZF-Vorstandsvorsitzende Stefan Sommer hat in einem Interview mit den "Nürnberger Nachrichten" vom Wochenende Vorwürfe gegen den Standort ZF Gusstechnologie in Nürnberg erhoben. Der ZF-Chef hatte sich unzufrieden über die Integration des vor einem Jahr vom insolventen Zulieferer Honsel übernommenen Werks gezeigt. In Infrastruktur, neue Maschinen und Unfallschutz habe ZF dort bereits 40 bis 50 Millionen Euro investiert. Mittlerweile sei die Produktivität deutlich erhöht worden. "Trotzdem reicht das noch nicht, und wir haben auch noch zu viel Ausschuss“, so der ZF-Chef weiter.
"Womit ich aber richtig unzufrieden bin, ist die Integration in die ZF-Welt. Warum die Arbeitnehmervertretung hier nicht kooperativ ist, ist mir unverständlich. Das macht mir einige Sorgen, was die Entwicklung von Nürnberg angeht.“ Es gehe ihm aber nicht darum, die Lohnniveaus abzusenken, sondern den ZF-Strukturen anzupassen. "Die Arbeitsstrukturen müssen flexibler werden, Mitarbeiter auch mal in andere ZF-Bereiche wechseln dürfen. Oder wenn unser Werk in Saarbrücken eine Wochenend-Sonderschicht für das Automatikgetriebe fährt, dann kann es nicht sein, dass ein im Vergleich dazu kleiner Standort sagt: Da ziehen wir nicht mit. Ich fordere eine ZF-Gesamtkultur ein.“Betriebsrat wehrt sich gegen Vorwürfe von ZF-Chef Sommer
Stefan Sommer, Vorstandschef des Zulieferers ZF Friedrichshafen, hat sich in einem Interview unzufrieden über den Verlauf der Integration des ZF-Werks in Nürnberg gezeigt. Doch der Betriebsrat des ehemaligen Honsel-Standortes wehrt sich gegen die Vorwürfe.
Äußerst flexibel gearbeitet
Der Betriebsrat von ZF Gusstechnologie in Nürnberg wehrt sich allerdings gegen die von Sommer erhobenen Vorwürfe. In einem Statement hält der Betriebsrat des fränkischen Werkes dagegen, dass dort "seit langem äußerst flexibel von Sonntag 23.20 Uhr bis Samstag 19:20 Uhr als Regelarbeitszeit gearbeitet“ werde. Bereits vor der Honsel-Insolvenz habe man an Sonn- und Feiertagen für die ZF gearbeitet. Dabei sei der rechtliche Rahmen großzügig ausgeweitet worden.
Nachdem der Kauf des Gesamtunternehmens Honsel durch ZF vor mehr als einem Jahr gescheitert war, hatten ZF und der jetzige Honsel-Eigner Martinrea wegen der ZF-Übernahme des Nürnberger Werks verhandelt. "In dieser Zeit wurde vom Betriebsrat Sonn- und Feiertagsarbeit sowie Überstunden zugestimmt, um die Verhandlungsposition von ZF zu stärken“, hießt es in dem Papier weiter. "Damit bewies das Nürnberg Werk in den letzten zwei Jahren seine hohe Flexibilität.“Sommer rechnet für den Konzern zwar weiterhin mit einem Umsatz von rund 17 Milliarden Euro für das Jahr 2012, doch das konjunkturelle Umfeld drücke auf die Ertragssituation. "Es wird schwierig hier die Zahlen aus dem Vorjahr zu erreichen.“ 2011 hatte das Unternehmen vom Bodensee einen Gewinn von 540 Millionen Euro erzielt.
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