München. Jeder zehnte der insgesamt 750.000 Arbeitsplätze in der westeuropäischen Autozulieferindustrie könnte einer Roland Berger-Studie zufolge in den nächsten drei bis vier Jahren wegfallen. "Die Gründe dafür sind ein zu niedriges Pkw-Produktionsvolumen in Europa, Produktivitätsfortschritte bei den Zulieferern sowie eine stärkere Verlagerung der Produktionskapazitäten in Niedriglohnländer beziehungsweise die boomenden Automobilmärkte“, sagte Marcus Berret, Automobilexperte bei Roland Berger. Die drohende Entlassungswelle werde demnach nicht nur die Produktion, sondern auch die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie Verwaltung betreffen.
Stefan Sommer, Vorstandschef des drittgrößten deutschen Zulieferers ZF Friedrichshafen AG, räumte in der Automobilwoche ein, dass auch sein Unternehmen von den Werksschließungen der Fahrzeughersteller betroffen sei: "Unsere Aufgabe ist jetzt, unser Standortkonzept für Europa den Kapazitätsänderungen der Fahrzeughersteller anzupassen. Das ist ein großer Umwälzungsprozess.“ Der Spezialzulieferer Benteler kündigte bereits an, in seiner Automobiltechnik-Sparte rund 1800 der weltweit 22.000 Stellen abzubauen. Der Kolbenhersteller Mahle vereinbarte unterdessen für die rund 9000 Mitarbeiter in Deutschland Maßnahmen, um "eine flexiblere Reaktion auf Auslastungsschwankungen zu ermöglichen“. Stellenstreichungen hat auch der neue Bosch-Chef Volkmar Denner angekündigt. Begründung: Der mittelfristig stagnierende europäische Markt erfordere rechtzeitige Anpassungen.Derzeit sieht die Unternehmensberatung bei den europäischen Zulieferern eine Überkapazität in der Produktion von acht bis zehn Prozent. Dieser Wert werde in den nächsten drei bis vier Jahren auf etwa 15 Prozent steigen, wenn von den Unternehmen nicht entsprechend gegengesteuert werde.75.000 Jobs bei Autozulieferern in Westeuropa bedroht
Laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger könnte in Europa jeder zehnte der insgesamt 750.000 Arbeitsplätze in der westeuropäischen Autozulieferindustrie wegfallen. Die drohende Entlassungswelle werde demnach nicht nur die Produktion, sondern auch die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie Verwaltung betreffen.
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