Neuendettelsau. Vor wenigen Tagen hat der Restrukturierungsspezialist Hermann Kampling die Leitung der Sellner Holding übernommen. Die bisherigen Geschäftsführer Werner Renzel und Jörn Trierweiler mussten ihre Posten räumen. Damit zeitigten die Turbulenzen beim Interieurspezialisten auch erste personelle Konsequenzen. In den Tagen zuvor hatten sich bei der Sellner-Gruppe die Ereignisse überschlagen. Operative Verluste aufgrund hoher Ausschussquoten bei Produktanläufen sowie Fehlkalkulationen von Fertigungskosten hatten die Sellner Holding GmbH und ihre Tochtergesellschaften Sellner GmbH und IPG Industrieplast GmbH in die Insolvenz geführt.
Nur wenige Tage später hatte mit Sellner-Behr ein weiteres Tochterunternehmen des Interieurspezialisten die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Die Schieflage von Sellner-Behr ist auf die Zahlungsunfähigkeit der Muttergesellschaft zurückzuführen, mit der die Tochter finanziell eng verflochten ist. Im Unternehmensumfeld heißt es zudem, dass einige der wichtigen Sublieferanten von Sellner-Behr in den vergangenen Tagen Vorkasse verlangt und so den Druck auf den Zulieferer zusätzlich erhöht hätten. Optimierungsbedarf gab es bei der Sellner-Gruppe offensichtlich schon seit Längerem.
Die Unternehmensberatung Roland Berger hat für die Franken eine Strategie erarbeitet, die von den Anwälten der auf Insolvenzrecht spezialisierten Kanzlei Dr. Beck & Partner als Grundlage für ein Sanierungskonzept genutzt werden könnte. Weiteren Insolvenzen der in- und ausländischen Töchter, wie etwa Schäfer-Oesterle und Strähle+Hess, werden bei dem Zulieferer, der zur Fondsgesellschaft CBR/EquiVest gehört, nicht befürchtet. Insgesamt sind in der Gruppe 900 Festangestellte und 480 Zeitarbeiter von der Insolvenz betroffen. Sellner beschäftigt 2400 Mitarbeiter, davon 1600 in Deutschland. "Die Produktion in der Sellner- Gruppe läuft unverändert weiter. Es gibt auch Unterstützung vonseiten der Autohersteller für die Sellner-Gruppe“, so ein Sprecher.