München. Morgens 9 Uhr in der Londoner Haberdasher's Hall. Aktien-Analysten aus ganz Europa sind gekommen. Die Stimmung ist erwartungsvoll. Kein Wunder: BMW-Chef Norbert Reithofer will über die strategische Neuausrichtung des Konzerns informieren und das angekündigte Sparprogramm konkretisieren. Doch schnell macht sich Enttäuschung breit. Der Konzernchef kann die Finanzexperten nicht überzeugen. Reithofers Vorstoß geht vielen nicht weit genug. "Nichts Neues", lautet die einhellige Meinung. Die Börse reagiert prompt: Die BMW-Aktie sackt bis zum Mittag um 6,15 Prozent ab.
"Number one" hat der Konzern seine Neuausrichtung getauft. Der Name ist Programm: Reithofer möchte mit BMW auch in Zukunft an der Spitze der Premiumhersteller stehen. Bis 2012 will er sechs Milliarden Euro einsparen und die Umsatzrendite auf acht bis zehn Prozent erhöhen.
Nur so glaubt der BMW-Chef den Rückgang der Gewinnmarge der vergangenen Jahre aufhalten zu können: "Wir konnten nicht so weitermachen wie bisher. Unsere Wettbewerbsposition stand auf dem Spiel." Die Konkurrenz wird stärker, der schwache Dollar und steigende Rohstoffpreise drücken auf den Gewinn.
Das neue Programm betrifft alle 23 Standorte in zwölf Ländern, alle Abteilungen. Ob Design, Entwicklung, Vertrieb, Einkauf, Verwaltung oder Produktion: Das Credo lautet "mehr Effizienz".
Das schlägt der Belegschaft aufs Gemüt. Überall herrscht große Unsicherheit. Am Band, in den Kantinen, auf den Fluren. Nicht nur die Arbeiter diskutieren den angekündigten Stellenabbau. Auch in den höheren Etagen sind die Beschäftigten beunruhigt: Statt der bekannten Gesichter der Unternehmensberatung Boston Consulting geistern neuerdings McKinsey-Berater durchs Haus und brüten hinter verschlossenen Türen Verbesserungsvorschläge für das Finanzressort aus.
Für das Mammutprogramm hat sich Reithofer nicht nur neue Berater ins Haus geholt. Er hat auch zwei treue Weggefährten zur Verstärkung in den Vorstand befördert: Herbert Diess als neuen Einkaufschef und Friedrich Eichiner für die Konzern- und Markenentwicklung. Eichiner kennt die Strukturen des Konzerns in- und auswendig. Der 52-Jährige ist ein gewiefter Stratege: Bei ihm laufen die Fäden der Neuausrichtung zusammen.