Stehen jetzt Insolvenzen unmittelbar bevor?
Das ist schwer abzusehen. Fest steht, dass die Opel-Mutter GM und Chrysler betont haben, die Milliarden-Kredite noch im Dezember zu brauchen. Mit dem Scheitern des Rettungspakets steigt das Risiko einer Insolvenz dramatisch. Anderseits hatten die Autohersteller zuvor gesagt, sie könnten mit den vorhandenen Reserven noch bis ins nächste Jahr hinein durchhalten. Zuletzt verloren sie zwischen einer und zwei Milliarden Dollar im Monat. Die entscheidende Frage ist, wie lange das Geld noch reicht. Der dritte große US-Autobauer Ford gilt als solider finanziert, weil er sich rechtzeitig Milliarden mit der Verbriefung von Verbindlichkeiten besorgt hatte.
Was sind die Optionen?
Die "großen Drei" brauchen dringend Geld. Sie können zum einen darauf hoffen, dass doch noch ein Kompromiss im Kongress gefunden wird - allerdings gilt es als wenig wahrscheinlich, dass die Abgeordneten in diesem Jahr nochmals darüber beraten. Als Alternative versuchen sie, Geld aus dem Rettungsfonds für die US-Finanzbranche zu bekommen. Das lehnte das Weiße Haus bisher strikt ab, möglicherweise gibt es jetzt aber angesichts der akuten Lage Bewegung. Milliarden von einem Investor sind in der aktuellen Lage nicht zu erwarten.
Was wären die Folgen einer Insolvenz?
Eigentlich sind Insolvenzverfahren mit Gläubigerschutz in den USA nichts besonderes. Die angeschlagenen Unternehmen müssen ihre Schulden nicht mehr bedienen und können sich unter strikter Aufsicht sanieren. Praktisch alle großen US-Fluggesellschaften haben dies durchlebt, der Autozulieferer Delphi - eine ehemalige GM-Tochter - saniert sich schon seit mehr als drei Jahren unter Gläubigerschutz. Vor allem General-Motors-Chef Richard Wagoner glaubt aber, dass Autobauer in einer besonderen Situation sind. Verbraucher würden keine Fahrzeuge von einem Hersteller kaufen, bei dem sie sich nicht sicher sind, ob er nicht schon bald verschwinden könnte.
Was würde eine GM-Insolvenz für Opel bedeuten?
Hier gehen die Einschätzungen weit auseinander. Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zeigt sich überzeugt, dass eine Pleite des Mutterkonzerns "spätestens ein halbes Jahr später" auch zu einer Opel-Insolvenz führen werde. Opel selbst fragte bereits vor Wochen bei der Bundesregierung nach einer Bürgschaft von mehr als einer Milliarde Euro für den Fall, dass die Zahlungen von GM wegbrechen. Damit will das Unternehmen auch eine mögliche Insolvenz der Mutter überstehen. Es ist umstritten, ob Opel ohne GM überlebensfähig wäre. Die Opel-Führung sagte zuletzt, das deutsche Unternehmen sei zu klein, um allein am Markt zu bestehen.