Düsseldorf. Der französische Reifenhersteller Michelin hat sein Interesse an der Reifensparte des deutschen Konkurrenten Continental unterstrichen. "Sollten die neuen Conti-Eigentümer die Reifensparte eines Tages zum Verkauf stellen, schauen wir uns das selbstverständlich an", sagte Konzernchef Michel Rollier dem "Handelsblatt". Allerdings fürchtet er kartellrechtliche Probleme bei einer Komplettübernahme.
„Wir verfolgen das aktuelle Geschehen in Hannover sehr genau“, erklärte ein anderer Manager des französischen Reifenherstellers Michelin gegenüber Automobilwoche. „Immerhin zählt Continental ja zu unseren wichtigsten Konkurrenten“. Mit einer Akquisition des Conti-Reifengeschäfts könnte Michelin die japanische Bridgestone-Gruppe als weltgrößter Pneuproduzent abhängen. Beide Anbieter sind jedoch auf dem europäischen Markt bereits gut aufgestellt – und würden sich in Wachstumsgebieten wie Asien und Südamerika kaum ergänzen. Zudem lahmt das Reifengeschäft derzeit in vielen Regionen; erste Anbieter haben bereits ihre Arbeitsschichten reduziert.
Einige Branchenkenner gehen nun davon aus, dass die Reifenaktivitäten von Continental zusammen mit ContiTech rechtlich verselbstständigt werden. Dies würde den Einstieg eines Investors wie auch die Verschmelzung mit einem passenden Wettbewerber erleichtern. Andere Beobachter erwarten einen Börsengang des Reifen- und Gummigeschäfts, der angesichts der Krise an den Finanzmärkten aber noch länger auf sich warten lassen dürfte. „Die Neupositionierung eröffnet uns ein breites Spektrum von Optionen“, sagte ein Conti-Sprecher auf Anfrage.
Der neue Continental-Eigner Schaeffler hat bei der Übernahme zwar eine weitgehende Bestandsgarantie für das Unternehmen abgegeben, die auch die Reifensparte umfasst. Doch in den vergangenen Wochen reißen die Spekulationen nicht ab, dass Continental zumindest Teile des Geschäftsbereichs veräußern könnte.
Wegen der schwachen Märkte zeigte sich Rollier zurückhaltend, ob Michelin das angepeilte Gewinnziel in diesem Jahr erreichen kann. "Es ist zwar noch zu früh zu sagen, ob die aktuelle Krise unsere Marge belasten wird", sagte er der Zeitung. Sollten die nächsten Wochen und Monate aber schlecht laufen, werde das Unternehmen "eine Belastung haben".