München. Unerschütterlich wie einst die Zuverlässigkeit des Corolla schien der beeindruckende Wachstumskurs von Toyota. Doch gerade jetzt, nachdem die Qualitätsprobleme der letzten Jahre überwunden schienen, die Japaner davon überzeugt sind, mit ihren Hybrid-Modellen der Konkurrenz meilenweit voraus zu sein und dafür von den Käufer geliebt werden wollen, muss Konzerchef Katsuaki Watanabe seinen Gasfuß auf die Bremse setzen. Der Plan, 2009 erstmals über 10 Millionen Fahrzeuge zu verkaufen, droht an den völlig umgekrempelten Märkten in den USA und Westeuropa zu scheitern. In Amerika ging der Absatz in den ersten sieben Monaten um 7,3 Prozent zurück, in Deutschland um 19,2 Prozent – trotz manifestiertem grünen Image und wieder hergestelltem Ruf bei der Kundenzufriedenheit. Und eben jener Kunde dankt es nicht.
Der Amerikaner verschmäht die eigens für ihn auf Kiel gelegten Riesen-Pickups und die Europäer wollen einfach nicht verstehen, dass der Hybrid die Lösung für all ihre Klima-Sorgen wäre. Letzteres ist er eben nur bedingt, zudem fehlt es an preiswerten Hybrid-Modellen oder wenigstens an ein paar mehr Varianten des Prius. Und margenträchtige Nischenmodelle, wie beispielsweise ein Cabrio, hat Toyota schon vor drei Jahren aus dem Angebot gekegelt. Toyota gilt als bieder und langweilig. Dabei lassen sich in Europa – wenn überhaupt – Autos momentan vorwiegend über Emotionen verkaufen.
Derweil hat der US-Kunde ein ganz anderes Problem. Selbst wenn er seinen Autosaurier gegen den hoch gelobten Camry Hybrid eintauschen wollte, käme das einem wirtschaftlichen Totalschaden gleich. Denn niemand würde den Altwagen in Zahlung nehmen. Watanabe will nun jeden Yen vier- statt nur dreimal prüfen, bevor er ihn investiert. Es könnte aber auch schon helfen, die Unerschütterlichkeit der Toyota-Produktplanung zu überprüfen. Denn die Effizienz zu erhöhen könnte erneute Rückschläge bei der Qualität nach sich ziehen. Besser hingegen wäre es, auf veränderte Marktgegebenheiten flexibler mit den richtigen Produkten zu reagieren. Das könnte dann wieder Kunden in die Ausstellungsräume locken – zumindest in Europa.