Das ist ein bedeutender Markt, in dem Continental eine entsprechende Rolle spielen will. Aus der Sicht von Continental Asia bedeutet das, dass Fahrzeuge aus dem Low-Cost-Segment nicht billig, sondern kostengünstig sind. Wir sprechen von sogenannten Affordable Cars, sprich erschwinglichen Fahrzeugen.
Conti: "Low Cost ist High Tech"
Der Tata Nano ist so ein Auto. Nach unserem Verständnis können zu diesem Segment aber auch Modelle für den Massenmarkt gehören, also auch Fahrzeuge der B- und C-Plattformen. Hier in Asien entwickeln und produzieren wir viele spezifische Komponenten und Systeme für diesen Markt. Wir erweitern ständig unser auf die lokalen Besonderheiten zugeschnittenes Produktportfolio. Dafür gründen wir in der gesamten asiatischen Region Entwicklungszentren.
2007 haben wir beispielsweise ein Entwicklungszentrum in Japan eröffnet. Derzeit bauen wir zwei weitere solcher Zentren in Schanghai, China. Und im Juli dieses Jahres haben wir ein neues Entwicklungszentrum und Headquarter in Bangalore, Indien, eröffnet.
Wir haben uns als Ziel gesetzt, bis 2013 etwa 20 bis 25 Prozent unseres Umsatzes in Asien zu erzielen. Im Moment liegen wir zwischen zehn und zwölf Prozent. Wir investieren dabei nicht nur in die Entwicklung, sondern auch in die lokale Produktion. Continental verfügt in Asien bereits über 33 Werke und 40 Vertriebsbüros. Um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir nicht nur das Produktportfolio an die Bedürfnisse des asiatischen Marktes anpassen, sondern die gesamte Wertschöpfungskette lokalisieren. Es ist äußert schwierig, ein Produkt, das eigentlich für das schnelle Fahren auf Autobahnen entwickelt wurde, in seinen Funktionen und Technologien so zu reduzieren, dass es sich für Low-Cost-Cars adaptieren lässt.
Eine sehr wichtige. Dafür sprechen schon die Prognosen. Eine besagt, das in Asien in den nächsten fünf Jahren zehn bis 14 Millionen Fahrzeuge hergestellt werden. Und ein Großteil davon wird dem Segment der Affordable Cars angehören. Zwar wurden diese Prognosen vor den Turbulenzen in der internationalen Finanzwelt ausgesprochen, dennoch, die Richtung stimmt.
Die aktuelle Finanzmarktsituation geht natürlich auch nicht spurlos an der Automobilindustrie vorüber. Wir als Zulieferer müssen ebenfalls unsere Hausaufgaben machen. Für das Low-Cost-Car- Segment kann die derzeitige Entwicklung förderlich sein. Ob diese Branche allerdings als Sieger hervorgehen wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer vorhersagen.
Man sollte nicht versuchen, europäische oder nordamerikanische Herangehensweisen in Entwicklung und Produktion auf lokale Bedürfnisse übertragen zu wollen.
Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, zumal sich nach der Akquisition von Siemens VDO unser Produktportfolio immens erweitert hat. Ein Beispiel aus dem Bereich Powertrain von Continental ist die Benzin-Kraftstoff-Fördereinheit für den Tata Nano. Entscheidend ist für mich aber, das dieses wie auch Produkte aus anderen Continental-Divisionen lokal in Asien entwickelt wurden. Es ist wichtig zu verstehen, dass Low Cost nicht Low Tech bedeutet, sondern vielmehr Low Cost High Tech ist. Wir sind also gezwungen, die Produktentwicklung aus einer anderen, neuen und spannenden Perspektive zu betrachten.
Aus einem Bottom-up-Ansatz heraus können wir neue, kostengünstigere Produkte entwickeln und produzieren. Das darf aber nicht zulasten der Qualität gehen, da wir auch ein Lieferant sicherheitsrelevanter Produkte sind. Doch der Ansatz erlaubt es uns, die in Asien entwickelten und hergestellten Produkte auch den europäischen und nordamerikanischen Kunden anzubieten.