München. Betriebsräte deutscher Automobilhersteller und Zulieferer lehnen das von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgeschlagene Tempolimit auf Autobahnen nahezu einhellig ab. Das ergab eine Umfrage der Automobilwoche. Fehlende Geschwindigkeitsbeschränkungen seien „für unsere exportorientierte Autoindustrie ein wichtiges Verkaufsargument“, sagte Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm. Sein Amtskollege bei Ford, Thomas Freels, ergänzte, es gebe andere Sorgen: „Langsam glaube ich, dass wir uns mit Verboten selbst die Luft abdrehen.“
Nach Auffassung von Audi-Betriebsrat Peter Mosch sei es viel wichtiger, „den Bogen zwischen Umweltschutz, wirtschaftlichen Interessen und sicheren Arbeitsplätzen zu spannen. Die Automobilhersteller können nicht allein die umweltpolitischen Ziele schultern.“ Uwe Hück, Betriebsratsvorsitzender der Porsche Holding, warf Gabriel vor, sich mit dem Vorstoß auf Kosten der Industrie profilieren zu wollen: „Die Frage ist doch, wem die Idee von einem generellen Tempolimit helfen soll. Mit Sicherheit gewissen Politikern, um im Mittelpunkt zu stehen.“ Für die Zulieferer unterstrich Bärbel Bruns, Vorsitzende des Continental-Betriebsrats: „Wir leben von und mit der Automobilindustrie. Deshalb bringen Entwicklung und Einführung von Kraftfahrzeugen für umweltfreundlichen Treibstoff und mit geringem Verbrauch mehr.“
Umweltverbände erwarten bei einer Umsetzung des von Gabriel vorgeschlagenen Tempolimits von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen eine CO2-Einsparung von nicht mehr als 0,5 Prozent. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) geht sogar von nur 0,3 Prozent weniger CO2 aus.