Paris. Volkswagen wird mit einem geringeren Auftragsbestand in das Jahr 2009 gehen. Trotz neuem VW Golf, Scirocco und Erfolgsmodellen wie Tiguan, Passat CC, Audi A4 und Q5 rechnet Konzernvertriebschef Detlef Wittig nicht mit einem prall gefüllten Orderbuch: „Wir sind mit einem Auftragsbestand von drei bis vier Monaten ins Jahr 2008 gestartet. Beim Tiguan und waren es sogar sechs bis sieben Monate“, sagte Wittig der Automobilwoche auf dem Autosalon in Paris. Das ließe sich 2009 kaum wiederholen.
Da der Verkauf des neuen Golf erst anläuft, sei es schwierig, eine Voraussage zu treffen. „Der Auftragseingang ist nicht schlecht, auch wegen der vielen neuen Produkte“, sagte Wittig. „Die Kernfrage ist, wie der Golf ankommt.“ Dennoch rechne er nicht damit, dass das Polster so groß werde wie vor einem Jahr: „Die Geschwindigkeit, mit der die Nachfrage in diesem Jahr sinkt, haben wir noch nicht erlebt“, sagte Wittig. Zwar habe es auch 1994/94 einen ähnlichen Nachfragerückgang gegeben, doch nicht in diesem Tempo.
Die Krise auf den Finanzmärkten hat die Verunsicherung der Kunden offenbar noch verstärkt. Die CO2-Diskussion und steigende Kraftstoffpreise hatten schon in den Vormonaten zu sinkender Nachfrage auf vielen Märkten geführt. Während Volkswagen wegen neuer Modelle und der Verfügbarkeit von neuen, sparsamen Benzin- und Dieselmotoren bisher noch eine Sonderkonjunktur für sich verbuchen konnte, rechnen Konkurrenten wie Daimler und Toyota mit sinkenden Absatzzahlen und fahren ihre Produktion herunter.
Ein Schritt, zu dem sich VW bisher nicht entschließen musste – trotz des dramatischen Marktrückgangs in Westeuropa und den USA: „In Nordamerika ist vor allem die Nachfrage nach Light Trucks gesunken“, sagte Wittig. Das Pkw-Segment, in dem VW vor allem präsent sei, halte sich hingegen stabil. Das mache sich auch bei den Restwerten bemerkbar: „Unser meistverkauftes Auto, der VW Jetta, ist jüngst als eines der wertstabilsten Autos auf dem US-Markt ausgezeichnet worden.“
Die Restwertentwicklung von Leasingfahrzeugen macht Wittig jedoch in Europa zunehmend Sorgen. Vor allem große Autos ließen sich nur noch schwer vermarkten: „Wir müssen versuchen, bestimmte große Fahrzeuge aus Europa herauszubringen und in anderen Märkten zu verkaufen.“ VW sei gerade dabei, das zu organisieren. Damit solle auch der Handel unterstützt werden. Dem fällt es zunehmen schwer, große, luxuriöse aber verbrauchsstarke Leasingrückläufer zu vermarkten.