Wir haben eine Situation, die allenfalls mit der im Jahr 1993 zu vergleichen ist. Die Verunsicherung ist groß. Alle Herstellergruppen passen zurzeit deutlich ihre Kapazitäten an. Wir werden um eine Konsolidierung in der Zulieferbranche nicht herumkommen.
Wir brauchen planerische Sicherheit
Wir betreiben eine intensive Lobby- und Gremienarbeit, um auf die schwierige Situation unserer Mitglieder hinzuweisen. Im Ausnahmefall und nach Abstimmung mit den Betroffenen gehen wir wie im Fall Gimotive/Stankiewicz gezielt in die Öffentlichkeit. Wir brauchen Banken, die dafür sorgen, dass die Kreditversorgung zu auskömmlichen Konditionen erhalten bleibt. Dazu ist der Rettungsschirm seitens der Bundesregierung ja gespannt worden. Die Gefahren einer Kreditklemme sind für viele kleinere und mittelständische Firmen, die über eine ge ringe Eigenkapitaldecke verfügen, geradezu existenziell.
Eines vorweg, es geht nicht um Schuldzuweisungen oder darum, überzogene Forderungen zu stellen. Es muss allen klar sein, dass wir in einem Boot sitzen. Wir müssen sehr sorgsam darauf achten, dass gesunde Zulieferer diese Krise überstehen. Dazu gehören faire Preise wie eine konstruktive Kommunikation über Plan- und Abrufzahlen zwischen Herstellern und Zulieferern. Die Arbeit im VDA ist da immens wichtig.
Die Bundesregierung hat mit dem Rettungsschirm für die Banken ein sehr starkes Signal gesetzt. Leider hat das Rettungspaket bislang zu keiner Verbesserung der Kreditvergabe geführt. Hier muss die Politik darauf achten, dass die Kreditvergabe an die Industrie nicht zu hohen Hürden unterliegt und auch Landesbanken ihren Verpflichtungen nachkommen. Nach der Steuerbefreiung für Neufahrzeuge benötigen wir weitere Kaufanreize wie eine Umweltprämie für schadstoffarme Autos und eine CO2-basierte Kfz-Steuer. Vor allem brauchen Autokäufer und Hersteller planerische Sicherheit.
Wir brauchen keine neuen Regeln. Die Gremien und die Instrumente für die Zusammenarbeit von Herstellern und Zulieferern gibt es. Und sie funktionieren.
Das ist der Knackpunkt, der die Existenz vor allem kleinerer und mittelständischer Unternehmen gefährdet. Sollten sich Banken weiter ihrer Verpflichtungen entziehen, dann wird es sehr bald Insolvenzen geben, die wiederum massive Auswirkungen auch auf das Bankengeschäft haben werden.
Wir haben es zum Teil mit Produktions- und Umsatzrückgängen im Automobilgeschäft von bis zu 20 Prozent zu tun. Erfreulicherweise verfügen wir über ein noch immer gut laufendes Industriegeschäft, in dem wir 40 Prozent der Umsätze generieren und wo wir auch 2009 weiter wachsen werden. Noch reichen die getroffenen Maßnahmen wie Zeitkontenreduzierung, Abbau von Leih- und Zeitarbeit, Stillstandstage und Kostensenkungen aus. Dass wir Personalmaßnahmen vermeiden können, kann ich jedoch nicht versprechen. Es hängt davon ab, wie sich das erste Quartal 2009 anlässt.