Hannover/Herzogenaurach. Die Auseinandersetzung um den Einstieg der Schaeffler-Gruppe bei Conti entwickelt sich zunehmend zur Pokerpartie. Nächste Runde: Die Hannoveraner sprechen mit Finanzinvestoren, um das Familienunternehmen aus Herzogenaurach mit einer möglichen Gegenofferte von Private-Equity-Gesellschaften unter Zugzwang zu setzen. Schaeffler hatte am 30. Juli ein Übernahmeangebot von 70,12 Euro je Aktie für Conti vorgelegt, was Continental-Vorstandschef Manfred Wennemer allerdings abgelehnt hatte. Die Angebotsfrist endet am 27. August. Continental behandelt das Angebot am Mittwoch dieser Woche in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung.
Ob es sich bei der Suche nach „Weißen Rittern“, die eine Gegenofferte für die Hannoveraner auf den Tisch legen, nur um einen Bluff handelt, wird sich erst noch zeigen. Als Weiße Ritter werden Investoren bezeichnet, die bedrohte Unternehmen als freundliche Käufer übernehmen. Zudem prüfen die Hannoveraner derzeit die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung. Dadurch würde sich die Annahmefrist des Schaeffler- Angebots automatisch von vier auf zehn Wochen verlängern. Sollte während dieser Frist das Angebot eines anderen Investors eingehen, so wäre für alle Aktionäre allein dessen Annahmefrist verbindlich. Aktionäre, die ihre Anteile schon an Schaeffler verkauft haben, könnten dies rückgängig machen und sie dem höherbietenden Konkurrenten andienen. Ein Angebot eines Finanzinvestors würde im Konzern aber auch auf Widerstand stoßen.
Der Conti- Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erwin Wörle sprach sich gegenüber Automobilwoche für den Einstieg eines strategischen Investors mit einer langfristigen Perspektive aus. Auch wenn sich Schaeffler- Chef Jürgen M. Geißinger wegen seines harten Kurses gegenüber Arbeitnehmervertretern bereits „einen gewissen Ruf“ erworben habe, schreckt das Wörle nicht. „Im Umgang mit Gewerkschaften sind Wennemer und Geißinger wie Zwillinge“, zieht er einen Vergleich und ergänzt: „Mehr Sicherheit gibt es für die Arbeitnehmer auch bei Herrn Wennemer nicht.“ Der Conti-Chef selbst ging 2004 bei der Übernahme des Zulieferers Phoenix nicht zimperlich vor.