München. Wer als Autohersteller global erfolgreich sein möchte, muss künftig auch Billigautos unter 10.000 US-Dollar anbieten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Roland Berger Strategy Consultants. Sie trägt den Titel „The Next Wave“ und analysiert die verschiedenen Strategien und Geschäftsmodelle auf dem weltweiten Billigauto-Markt. Die Analyse basiert auf einer Befragung von über 80 Automobil-Managern in Nordamerika, Westeuropa, Japan, China und Indien. Den Autoren zufolge lassen sich bei den Strategien vier Modelle regional abgrenzen und es kommt zu neuen Formen der Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Zulieferern.
Studie: Nur Billigautos sichern weltweiten Erfolg
Robert Berger gliedert die Strategien der einzelnen Autobauer dabei in vier Zukunftskonzepte:
Die Automobilhersteller aus Europa und den USA vertreten der Studie zufolge das „traditionelle Modell“. Nach dieser Strategie werden die Kosten der Herstellung durch Mengeneffekte und Einsparungen beim Design gesenkt.
Die Kostensenkungen der Hersteller aus Japan und Südkorea resultierten dagegen hauptsächlich aus Prozessinnovationen im globalen Netzwerk, heißt es in der Studie. Dieses Modell vertreten Firmen wie Toyota und Hyundai.
Die Chinesen wiederum senken der Studie zufolge ihre Produktionskosten dadurch, dass sie bestehende Konzepte kopieren und die Arbeitskosten in China allgemein auf einem sehr niedrigen Niveau liegen.
Das vierte Konzept stammt aus dem aufstrebenden indischen Markt und wird von Tata Motors, Maruti sowie Mahindra & Mahindra betrieben. Hinter dem Begriff „cooperative competition“ verbirgt sich das Modell einer Kosten- und Risikenverteilung auf eine breite Basis von Zulieferern und Partnern.
Konzeptübergreifend sind einige Gemeinsamkeiten zu erkennen, erklärt Automobilexperte und Mitautor der Studie Wolfgang Bernhardt: „Alle Hersteller weltweit fokussieren besonders darauf, Kosten durch Mengeneffekte zu senken und die Zusammenarbeit mit externen Partnern zu optimieren"
Der Studie zufolge könnten Firmen, die ihre komplette Strategie kostenbewusst ausrichten und in Entwicklungsländern produzieren, ihre Kosten um 30 bis 40 Prozent senken. Hersteller aus entwickelten Volkswirtschaften wie Deutschland, die weiterhin in ihren Heimatländern produzieren möchten, könnten etwa 20 bis 30 Prozent einsparen.
Hersteller in den Entwicklungsländern können völlig neue Konzepte entwickeln. Chinesische Hersteller etwa haben aus der regionalen Not - dem Mangel an Fachkräften - eine Tugend gemacht: Sie beschränken sich auf das, was ihre Zulieferer herstellen können. Diese stärkere Abhängigkeit hat auch Vorteile: Die Kosten für Neuentwicklungen tragen zu einem großen Teil die Zulieferer. Tatas Übernahme von Jaguar und Landrover zeigt aber auch, dass Hersteller aus Entwicklungsländern inzwischen groß genug sind, um etablierte Marken mit deren Knowhow einzukaufen.
Auch bei der Risikominderung unterscheiden sich die etablierten Geschäftsmodelle von denen der Marktneulinge China und Indien. Beim Nano schloss der indische Hersteller Tata beispielsweise langfristige Verträge über große Mengen mit seinen Zulieferern ab. 75 Prozent der Teile liefert exklusiv ein einziger Partner. Die Lieferanten bringen dafür ihr Knowhow ein und beteiligen sich oft sogar finanziell - etwa in Form von Wagniskapital - an dem gemeinsamen Projekt. Erfolgreiche low-cost-Strategien nutzen auch gezielt staatliche Subventionen und errichten ihre Fertigungseinrichtungen in wirtschaftlich schwachen Regionen, um ihre Investitionsrisiken zu senken. Tata wählte als Standort für die Nano-Fertigung etwa das schwach entwickelte Westbengalen.
Die Studie schließt mit einem Resümee der derzeitigen Entwicklung auf dem Weltmarkt: "Mit dem Eintritt von Herstellern aus Entwicklungsländern in den Automobilbau hat sich der gesamte Branche grundlegend verändert. Das Segment Billigautos war wohl nur der Anfang."