München. 2007 war für die Automobilbranche in Deutschland ein Horrorjahr, die Zahl der Neuzulassungen sank um 9,22 Prozent auf 3,15 Millionen Fahrzeuge. Ein Blick auf die Details zeigt jetzt, dass eine gewaltige Verschiebung des verkauften Volumens weg vom Privatkunden hin zum Gewerbekunden stattgefunden hat. Außerdem zeigt eine nach Vertriebswegen aufgeschlüsselte Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), die der Automobilwoche vorliegt, dass viele Hersteller erneut in großem Maße der Verführungskraft von Eigenzulassungen erlagen.
Das Jahr der Gewerbekunden
Keine guten Geschäfte konnten im Jahr 2007 mit Privatkunden gemacht werden. Ihr Anteil an den gesamten Neuzulassungen schrumpfte von 47,4 Prozent im Vorjahr auf 38,1 Prozent. Dagegen wurden Gewerbekunden erneut wichtiger: Ihr Anteil an den Gesamtzulassungen stieg von 18,2 auf 21,7 Prozent. Auch eine Rubrik, über die die Hersteller gerne stillschweigend hinweggehen, legte weiter zu: Eigenzulassungen der Händler, Vorführwagen und sonstige Werkszulassungen machten 2007 nahezu 30 Prozent der Gesamtzulassungen aus. Im Jahr 2006 waren es noch 25 Prozent.
Am stärksten litten die Volumenhersteller unter der privaten Kaufzurückhaltung, während sich die Premiummarken erneut als etwas weniger konjunkturanfällig erwiesen. So büßte Ford bei den Privatkunden fast 45 Prozent seines Vorjahresabsatzes ein. Opel erging es mit minus 42,6 Prozent kaum besser, und die VW-Gruppe kann mit minus 37,5 Prozent auch nicht von einem erfolgreichen Privatkundenjahr sprechen. Erstaunlich wacker hielten sich dagegen die französischen Importeure: Peugeot verlor nur 14 Prozent im privaten Segment, Renault und Citroën jeweils rund 18 Prozent.
2007 war das Jahr der Gewerbekunden. Die dort bislang eher schwachen Anbieter konnten relativ stark zulegen: Fiat plus 24,6 Prozent, Ford plus 18,7 Prozent und Citroën plus 14,8 Prozent. Auch BMW setzte 20,5 Prozent mehr Fahrzeuge an Gewerbekunden ab als im Vorjahr. Der Rivale aus Stuttgart dagegen profitierte nicht vom Geschäftswagenboom: Mercedes-Benz verlor drei Prozent.
Locker nahmen es dagegen die Händler der Schwaben bei den Eigenzulassungen: Sie ließen 2007 30,6 Prozent mehr Fahrzeuge zu als im Vorjahr. Noch doller trieb es nur der VW-Handel mit einem Plus von 31,7 Prozent. Ein erheblicher Teil dieser Fahrzeuge ist noch nicht verkauft und dürfte für anhaltenden Druck und kostspielige Incentives sorgen. Nach leidvollen Erfahrungen in den Vorjahren traten dagegen Peugeot (minus 24,9 Prozent) und Citroën (minus 6,3 Prozent) bei den Händlerzulassungen auf die Bremse.