Bonn. Vielen Zeitungskommentaren zum Trotz („Wie tief kann eine Marke noch sinken“): Etliche Jaguar- und Land Rover-Händler in Deutschland sehen den sich abzeichnenden Verkauf der englischen Nobelmarken an die indische Tata-Group eher als Chance.
„Vorausgesetzt, der neue Eigentümer begreift, dass Jaguar und Land Rover immer auch ein Stück britische Noblesse bedeuten – dann haben wir keinen Grund zur Sorge“, sagt Georg Hilgers, Geschäftsführer des Jaguar- wie auch des Land Rover-Händlerverbands. Im Moment sei die Stimmung unter den Händlern eher positiv. „Weil man weiß, dass Tata ein solventes Unternehmen ist.“
Im Vergleich dazu sei die finanziell enge Lage bei Ford immer ein Grund zur Sorge gewesen. Dies habe sich etwa bei manchen Aspekten der Neuwagenfinanzierung durch die Ford-Bank bemerkbar gemacht. Auch die Plattform- Strategie von Ford, deren Ergebnis unter anderem der ungeliebte Jaguar X-Type war, sei nicht von allen Kunden geschätzt worden. Zudem werde von den Händlern die Tata-Lösung gegenüber dem Verkauf an ein Private-Equity-Unternehmen bevorzugt.
Damit sehen die deutschen Jaguar-Händler den Einstieg von Tata positiver als ihre US-Kollegen: Deren Händlerverband befürchtet, die britische Traditionsmarke könne Schaden nehmen.
Die Kernfrage sei, so der deutsche Händlersprecher, wie der indische Lkw- und Kleinwagenhersteller Tata die Luxusmarke managen werde: „Die Jaguar-Kunden gerade in Deutschland sind sehr an ihren Händler gebunden und haben einen hohen Exklusivitätsanspruch. Das wollen wir durch einen Verkauf nicht verlieren.“
Noch entspannter als bei den 56 Jaguar-Händlern in Deutschland werde eine indische Übernahme von den 94 Händlern von Land Rover gesehen, fügt Hilgers hinzu. „Für den Kunden wird es letztlich entscheidend sein, dass die Produktion in Großbritannien bleibt.“ Wo die Konzernmutter ihren Sitz habe, ob in den USA oder in Indien, sei zweitrangig.