Schuff: Es gibt vier Schwerpunkte. Rohmaterialien, mechanische und mechatronische Komponenten, indirektes Material und die gegenseitige Nutzung von Produktions-Know-how und -kapazitäten. Bei den Produktionsmaterialien sind das zunächst die Komponenten insbesondere aus den Bereichen Powertrain und Chassis.
"Betreuungsbedarf der Lieferanten reduzieren“
Fella: Im Prinzip ja. Natürlich kann noch die ein oder andere Million hinzukommen, aber grundsätzlich wird sich daran nicht viel ändern und ein Volumen von 6,6 Milliarden Euro spielt auch im Markt eine vernünftige Rolle.
Schuff: Basis ist ein relevantes Einkaufsvolumen im Jahr 2008. Niemand weiß natürlich genau, welches Volumen es in diesem oder den nächsten beiden Jahren geben wird.
Fella: Wir zählen rund 900 Mitarbeiter im Continental Automotive Einkauf. Beide Organisationen werden zunächst aber weiterhin nebeneinander bestehen.
Schuff: Bei uns sind etwa 550 Mitarbeiter weltweit im Einkauf beschäftigt. Wir arbeiten mit Conti in einem Kooperationsmodus, aber eine Zusammenführung ist eine denkbare Option.
Fella: Nein. Es gibt aber Themen, wo eine Zusammenarbeit einfach keinen Sinn macht. Etwa das Beispiel Microcontroller. Die werden nur von Conti eingekauft. Da gibt es keinerlei Anknüpfungspunkte zu Schaeffler.
Schuff: Wir müssen natürlich auch rechtliche Rahmenbedingungen beachten. In der Kooperationsvereinbarung zwischen den beiden Unternehmen wurde festgehalten, dass wir auch im Einzelfall überprüfen werden, ob es durch die beiden Unternehmen zu einer marktbeherrschenden Stellung kommt. Dies ist aber in nahezu allen Fällen nicht gegeben.
Schuff: Beide Konzerne haben ein Steering-Kommitee eingerichtet, dass in den jeweiligen Organisationen nach Synergien sucht. Eines der dort angesiedelten Arbeitsgebiete ist der Einkauf, die von je einem Conti- beziehungsweise Schaeffler-Projektleiter, geführt werden.
Fella: Mitte vergangener Woche haben wir beschlossen, dass wir ein sogenanntes gemeinsames Sourcingkommitee einführen zu wollen. Wir werden uns dort alle zwei Wochen treffen und dabei sowohl die Lieferantenauswahl als auch die Projektvergaben miteinander abstimmen. Dort werden wir diskutieren und entscheiden, an wen neue Aufträge vergeben werden und mit wem wir lieferantenseitig zusammenarbeiten wollen. Zum Beispiel auch, wie wir uns weltweit in den Regionen aufstellen.
Fella: Zum einen wollen wir den Betreuungsbedarf der Lieferanten reduzieren. Dieser ist in den vergangenen Jahren sukzessive gestiegen. Zum anderen erwarten wir aber auch Skaleneffekte durch höhere Volumina bei den einzelnen Lieferanten. Insgesamt sollen die Unternehmen für uns stärkere Partner werden als sie es heute sind.
Schuff: Wir stehen da auch unter dem Druck der Fahrzeughersteller, die von uns erwarten, dass wir mit wettbewerbsfähigen Lieferanten zusammenarbeiten. Wir bewegen uns in den Bereichen Powertrain oder Chassis in immer komplexeren Systemen. Die Anforderungen an unsere Lieferanten in Punkto Innovationspotenzial, fertigungstechnisches Know-how und finanzielle Solidität nimmt damit zu.
Fella: Zunächst werden wir ein gemeinsames Lieferantenpanel definieren. In einem zweiten Schritt werden alle Neuaufträge nur an solche Unternehmen vergeben. Bei laufenden Geschäften wird es wohl zunächst keine Änderungen geben.
Schuff: Das lässt sich nicht genau beantworten. Das Lieferantenpanel soll in den nächsten drei bis sechs Monaten stehen. Die endgültige Halbierung der Lieferantenzahl wird sich wohl wegen laufender Vereinbarungen und Freigabeerfordernissen noch über mehrere Jahre hinziehen.
Fella: Der Hauptfokus liegt auf der Qualität. Weitere Kriterien sind Kostenführerschaft, aber auch die Fähigkeit, technische Innovationen bereitstellen zu können.
Schuff: Dazu kommen noch Innovationsfähigkeit in den Prozessen, Standortflexibilität und finanzielle Solidität.
Schuff: Der Druck auf solche Unternehmen, die konventionelle Technik liefern, wird sicherlich größer. Die entwicklungs- und innovationsstarken Lieferanten gewinnen jetzt aber einen breiter aufgestellten Kunden, der ihnen mehr Potenzial für ihre Produktideen und Entwicklungsprozesse bietet.
Fella: Unsere Entscheidungen werden nicht auf Grundlage des Standortes getroffen. Für uns spielen sowohl global als auch local sourcing eine wichtige Rolle. Aber auch wir müssen dem Markttrend folgen. Der besagt, dass die Produktion der Fahrzeughersteller in der jeweiligen Triade mehr und mehr in Richtung Best-Cost-Countries verlagert wird. Und wir sind auch mit unseren Produktionen gezwungen, dem zu folgen. Deshalb brauchen wir schon aus logistischen Gründen entsprechende Partner, die uns vor Ort versorgen können.
Schuff: Wir haben in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen mit dem deutschen Mittelstand gemacht. Egal in welcher Region man sich engagiert, ist es immer eine Freude, auf diese Unternehmen zurückgreifen zu können.
Schuff: Wir betreiben ein gemeinsames Risk-Management. Im ein oder anderen Fall ist es aber auch schon zu Insolvenzen gekommen.
Fella: Doch nicht jede Insolvenz ist automatisch ein Desaster. Oftmals gehen daraus restrukturierte Unternehmen hervor.
Fella: Es gibt natürlich ein großes Interesse daran, wie es mit den beiden Unternehmen weitergeht.
Schuff: Es gibt momentan eine allgemeine Verunsicherung im Automotivebereich und dementsprechend auch einen höheren Kommunikationsbedarf. Das betrifft auch das Rating. Aber bis jetzt haben wir uns mit unseren Lieferanten immer einigen können.
Schuff: Im vergangenen Jahr hatten wir sehr mit den Preisforderungen der Stahllieferanten zu kämpfen. In dieser Zeit gab es grenzwertige Preisforderungen und Aufkündigungen bestehender Kontrakte. Künftig würde ich von unseren Partnern deutlich mehr Verlässlichkeit und Berechenbarkeit erwarten.
Fella: Ja, bei den für die Systeme essentiellen Komponenten Batterie und Leistungshalbleiter gibt es nur eine begrenzte Anzahl von potenziellen Lieferanten.
Schuff: Parallel zum Einkauf werden bei Schaeffler und Conti auch Bereiche wie Entwicklung, Vertrieb und Aftermarket durchleuchtet. Aber im Einkauf lassen sich Synergiepotenziale eben schneller realisieren als in der Entwicklung. Und in der derzeitigen Situation gilt: "Cash is king!“