Osnabrück. Die geplante Schließung des Bereichs Fahrzeugbau beim insolventen Zulieferer und Auftragsfertiger Karmann beschäftigt nun auch das Arbeitsgericht Osnabrück. Dort sind bis Ende vergangener Woche 800 Kündigungsschutzklagen eingegangen. Die Kündigungen der Mitarbeiter sollen vor der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens ausgesprochen worden sein. Der vorläufige Insolvenzverwalter Ottmar Hermann, der mit der Pleite der Warenhauskette Woolworth seit wenigen Tagen ein zweites Großverfahren betreut, will das in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen möglichst fortführen. Die Suche nach Investoren ist angelaufen.
Von der Insolvenz Karmanns sind insgesamt 3470 Mitarbeiter betroffen. Der Auftragsfertiger wollte im Mai die Fahrzeugproduktion am Standort Osnabrück mit dem Auslaufen des Auftrags für das Mercedes CLK Cabrio komplett schließen. In mehrmonatigen Verhandlungen über einen Sozialplan hatten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf die Einrichtung einer Transfergesellschaft geeinigt. Laut Karmann habe der Sozialplan nicht mehr finanziert werden können. Die Wirtschaftskrise und der dramatische Einbruch bei der Autonachfrage hätten die ursprüngliche Planung zunichte gemacht.
Trotz der aktuellen Notlage wird Karmann auf der Hannover Messe, die in dieser Woche beginnt, mit einer Neuentwicklung präsent sein. Die Niedersachsen haben vom Oldenburger Energieversorger EWE den Auftrag erhalten, bis zu sechs Prototypen eines Elektrofahrzeugs herzustellen. Die Sportlimousine E3 soll eine Reichweite von 150 Kilometern haben und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erreichen. Der Akku ist im Gegensatz zu Lösungen anderer Entwickler nicht im Innenraum des Autos, sondern im Unterboden untergebracht.