Also, die Kristallkugel habe ich auch nicht. Derzeit spiegelt sich die gestiegene Stimmung in den Autohäusern nicht in unseren Zahlen wider. Eine Erklärung dafür könnten die Lagerbestände bei den Autoherstellern sein. Allerdings gibt es vereinzelt Fahrzeugmodelle, bei denen der Bedarf steigt.
"Kritische Zeit Ende April, Anfang Mai"
Beispielsweise bei Fahrzeugen wie Ford Fiesta, Opel Corsa oder VW Golf. Teilweise werden bei den Fahrzeugherstellern bereits beschlossene Ruhetage wieder zu Arbeitstagen erklärt.
Zumindest teilweise. Man kann als Autokäufer seit geraumer Zeit ja auch ganz ordentliche Rabatte verhandeln. Außerdem gibt es auch große Unterschiede zwischen den Bereichen Pkw und Lkw. Lastwagen sind als Investitionsgut wie auch schon in den Absatzkrisen der vergangenen Jahrzehnte in einer viel stärkeren Abfallkurve, als das bei Personenwagen der Fall ist.
Ich gehe davon aus, dass die kritische Zeit Ende April, Anfang Mai sein wird. Ob es danach wirklich besser wird, weiß heute niemand zu sagen. Ich persönlich habe aber die Hoffnung, dass es sich nach Ostern wieder etwas normalisiert.
Im November und Dezember 2008 hatte sich schon abgezeichnet, dass die Monate März und April kritisch für die Branche werden. Die Zahlungsziele bei uns in Deutschland liegen zwischen 35 und 40 Tagen. Also wird die schwache Nachfrage dann im April und Mai zu spüren sein. In Ländern wie Spanien oder Italien gibt es sogar Zahlungsziele von 90 Tagen. Wir würden uns aber nicht auf solche Fristen einlassen, und die meisten Zulieferer, die ich kenne, machen das auch nicht. Ich halte es für ein Unding, dass man den Zulieferer auch noch Bank spielen lässt.
Bislang nicht. Wir haben, wie viele andere Mittelständler auch, in den letzten Jahren unsere Hausaufgaben gemacht. In die Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre sind etliche Flexibilisierungsschritte eingeflossen. So haben wir schon seit Längerem Betriebsvereinbarungen, die es uns erlauben, 43 Stunden zu arbeiten. Das haben wir bis September 2008 an sieben Tagen in der Woche gemacht. Die Vereinbarungen erlauben uns aber auch, nur 33 Stunden zu arbeiten. Das ist derzeit der Fall. Auch im Vergleich zu unseren internationalen Standorten muss man sagen, dass wir in Deutschland viel flexibler geworden sind.
Es wird viel geschrieben über das Verhalten der Banken bis hin zur Kreditklemme. Ich kann das so nicht bestätigen. Nach aktuellen Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Berlin liegt die Ablehnungsquote von Krediten bei zwei Prozent. Auch in wirtschaftlich normalen Zeiten wurden Kredite abgelehnt. Wenn Zulieferer hoch verschuldet sind und infolgedessen nur über wenig Eigenkapital verfügen, sind das Faktoren, die sich jede Bank ansieht. Und das erwarte ich als Kunde eines Kreditinstituts auch, wenn ich dort mein Geld anlege.
Vor allem die Sparkassen und Volksbanken funktionieren gut. Die sind sehr liquide und bedienen den kleinen Mittelstand vor Ort wunderbar. Da höre ich keine Klagen. Etwas anders sieht es wohl bei den großen Geschäftsbanken aus. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, wie schnell diese Unternehmen unter den Bankenschirm kommen.
Eigentlich halte ich davon nichts. Wobei mir auch klar ist, dass wir in einer Zeit leben, in der die Ordnungspolitik auch mal für ein paar Monate aussetzen muss. Staatshilfen in jedweder Form von Bürgschaften lasse ich mir gefallen. Die gab es schon immer. Aber Beteiligungen dürfen nicht sein.
Es gibt wetterfeste und nicht so wetterfeste Unternehmen, wie man gerade sehen kann. Zum einen sollte die Verschuldung nicht zu hoch sein. Unternehmen müssen ihr Eigenkapital pflegen, um auch ein guter Kreditnehmer zu sein. Zudem bemühen wir uns um ein möglichst ausgewogenes Kundenspektrum. Man muss es sich als Unternehmen auch mal leisten können, dass einer der Kunden ausfällt.
Rund 55 Prozent des Umsatzes innerhalb der Gruppe entfallen auf die Autoindustrie. Zum Glück haben wir auch ein paar andere Branchen, in denen wir tätig sind. So läuft unser Bereich Umwelttechnik recht gut, und auch die Geschäfte mit Produkten fürs Handwerk bewegen sich im Rahmen.
Nein. Wir fühlen uns in der Autoindustrie ganz wohl. Das ist eine tolle und stark wachsende Industrie. Nur nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Aber ich bin mir ganz sicher, dass die Absatzzahlen wieder zulegen werden. Die Frage ist nur, wie kommen wir jetzt durch das Tal und wie tief wird es sein.