Köln. Wenn Simin Lostar Schräpfer durch die riesige Montagehalle eilt, ist sie zwischen den vielen Autokarosserien und Geräten kaum zu sehen. Aber die kleine, zierliche Frau mit dem strahlenden Lächeln kann sich durchsetzen - und das muss sie auch: Als Bereichsleiterin bei den Kölner Ford-Werken ist sie seit vergangenem Monat die Chefin von rund 1300 überwiegend männlichen Mitarbeitern.
"Leicht ist das natürlich nicht - aber ob es einfacher wäre, wenn ich ein Mann wäre? Keine Ahnung, ich kenne es ja nicht anders", sagt die 37-Jährige, die in Ankara geboren und in Istanbul aufgewachsen ist. Schon als sie in Aachen Maschinenbau studierte, habe der Professor die Studierenden stets mit den Worten begrüßt: "Guten Morgen, meine Herren und meine Dame", erinnert sie sich lächelnd. Und wenn sie später auf die Frage nach ihrem Beruf antwortete, dass sie "Autos baut", erntete sie oft Kopfschütteln und verwunderte Blicke.
Technik hat Lostar Schräpfer, die mit einem Deutschen verheiratet ist, schon immer begeistert. "In der Schule haben mich eher Fächer wie Physik und Mathe anstatt Sozialwissenschaften interessiert. Und zu Hause habe ich immer viel gebastelt." Da sei die Richtung, die sie beruflich einschlagen würde, schon früh klar gewesen.
Nach einem Studium in Istanbul ging sie 1994 nach Deutschland und musste dort erst einmal die Sprache lernen. Ihre Diplomarbeit an der Technischen Hochschule Aachen schrieb sie bei Ford. Dort nahm sie anschließend an einem Trainee-Programm teil. In der Folge führte sie ihre Karriere durch alle europäischen Werke des Autobauers, sie übernahm leitende Positionen in unterschiedlichen Bereichen.