München. Neue Technologien, neue Märkte, neue Medien – die Automobilindustrie befindet sich im Wandel. "Die Elektromobilität stellt sie bei der Personalbeschaffung vor neue Herausforderungen“, sagt Barbara Hartmann, Managing Partner der Personalberatung Heads. Dringend gesucht: Ingenieure mit Know-how bei Elektro- und Hybridantrieb. "Die Kompetenzstruktur unseres Unternehmens wird sich in den nächsten Jahren erheblich verändern“, sagt Ralph Linde, Leiter Personalentwicklung bei Volkswagen. "Themen wie Leichtbau, Batterietechnik und elektrisches Fahren führen zu einer Verbreiterung der Kompetenzen. Also werden wir auch das Recruitment breiter aufstellen.“ Headhunter wildern bereits bei Energieanbietern, Batterieherstellern und Leichtbauspezialisten. "Für Positionen im Personalwesen und Marketing suchen wir verstärkt auch in der Konsumgüterindustrie, bei Technik mehr in der IT-Branche“, so Hartmann.
Ihre Kollegin Kati Najipoor-Schütte von der Personalberatung Egon Zehnder International schaut sich "verstärkt auch in angrenzenden Branchen wie der Energie- und Chemieindustrie“ um. International wird längst nach High Potentials gefahndet – auch ohne die von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle geforderte "Lockprämie“ für ausländische Fachkräfte. Gefragt ist nicht nur neues Wissen, sondern auch modern denkende Führungskräfte, so Najipoor- Schütte, die das internationale Automobilgeschäft bei Zehnder leitet. Es werde nicht mehr in Produkten, sondern in Lösungen gedacht: "Gefragt sind Querdenker, die ihr Verständnis für neue Kundenanforderungen in Lösungen übersetzen können.“ Doch die sind Mangelware. "Das Problem ist: Alle Unternehmen haben das erkannt, es gibt aber nicht genügend Fachleute“, so die Personalberaterin. Erschwert wird die Lage durch den demografischen Wandel und den daraus resultierenden Fachkräftemangel. Die Autohersteller geben sich gelassen: "Wir werden auch in Zukunft guten Nachwuchs bekommen“, versichert VW-Manager Linde. "Wir haben den großen Vorteil, dass wir emotionale Produkte anbieten und ein internationaler Konzern sind.“
Anders ist die Lage bei mittelständischen Zulieferern. Für sie ist es erheblich schwieriger, die besten Absolventen zu ergattern. Bei den Rankings der beliebtesten Arbeitgeber belegen sie nur hintere Ränge. Ganz oben stehen Audi und BMW. "Unternehmen, die eine Marke darstellen, haben es grundsätzlich leichter bei der Rekrutierung von Fachpersonal“, sagt Expertin Hartmann. Sie sieht aber "kein Riesenproblem“ auf die Zulieferer zukommen. "In den technischen Studiengängen sind die Namen der Autozulieferer durchaus bekannt.“ Soziale Netzwerke wie Facebook und Xing bieten den Unternehmen neue Möglichkeiten, sich zu präsentieren. "Wir sprechen verstärkt junge Leute über neue Medien an. Das ist ein ganz wichtiger Weg des Personalmarketings der nächsten Jahre, der heute schon große Bedeutung hat“, so Linde, der die VW-Aktivitäten bei Facebook und StudiVZ ausbauen will. "Es wird neue Plattformen geben, die Entwicklung im Netz ist wahnsinnig schnell.“ Die verstärkte Präsenz im Internet bedeutet aber nicht, dass die Unternehmen ihre Arbeit in den Universitäten zurückfahren – die kann das Netz nicht ersetzen. Alle Autohersteller und viele große Zulieferer versuchen frühzeitig, Studierende über ein Praktikum oder eine Abschlussarbeit an sich zu binden.
So stellt beispielsweise Audi 70 Prozent aller Neuen über diesen Weg ein (siehe Interview). Headhunter nutzen soziale Netzwerke für die Suche nach Fachleuten, vor allem bei Einsteigern. Spätestens ab der Besetzung von Positionen im mittleren Management greifen sie lieber auf Datenbanken und persönliche Netzwerke zurück. Wichtig sei es, "neue Talente nicht nur zu identifizieren, sondern auch zu integrieren“, rät Najipoor- Schütte. Die jungen Leute passten sich nicht problemlos in altmodische Strukturen ein. VWManager Linde glaubt: "Diese Generation wird die Arbeitswelt verändern. Sie geht viel virtuoser mit Technik um, ist viel offener für den Austausch von Wissen über Netzaktivitäten.“ Ihn treibt eine wichtige Frage um: "Was müssen wir als Unternehmen tun, um für diese jungen Menschen sexy zu sein?“