Wie groß muss die Not bei Porsche sein, dass man nun sogar erwägt, Daimler zu beteiligen. Es ist erst ein Jahrzehnt her, da hatte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking eine solches Ansinnen des Stuttgarter Nachbarn empört zurückgewiesen. Daimler-Benz machte damals eine Beteiligung an Porsche zur Bedingung für ein gemeinsames Geländewagen-Projekt. Es wurde dann mit VW verwirklicht.
Doch jetzt ist alles anders: Porsche drückt eine Schuldenlast, von der sich das Unternehmen aus eigener Kraft nicht mehr befreien kann. Offenbar ist Wiedeking und "seinem“ Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Porsche nun jedes Mittel recht, eine Fusion mit Volkswagen zu vermeiden. Dabei liegt dort die eigentliche industrielle Logik: Hatte nicht Wiedeking die Übernahme von VW betrieben, um gemeinsame Projekte wie Cayenne/Touareg abzusichern? Wollte er nicht VW vor der Übernahme durch Heuschrecken schützen? Die Argumente für sein Übernahmeprojekt führt er nun selbst ad Absurdum. Denn zum einen gebärdet sich das Duo Wiedeking/Härter selbst wie eine Heuschrecke: Sie wollten die Übernahme aus der Beute finanzieren, die sie sich beim Rollgriff in die VW-Konzernkasse erhofften. Zum anderen scheint nun offenbar jeder Investor willkommen zu sein, Hauptsache er befreit Porsche von einem Teil seiner Schuldenlast und heißt nicht VW. Denn das hätte Machtverlust zur Folge.
Bleibt noch die Frage, wo die industrielle Logik einer Beteiligung von Daimler an Porsche ist. Da dies indirekt auch eine Beteiligung an VW bedeutet, würde hier ein deutsches Industrie-Konglomerat entstehen, dass Fatal an Fiat in Italien, General Motors in den USA oder Leyland im England der 70er Jahre erinnert. Solche "Zwangsehen“ enden selten glücklich. Am Ende steht dann kein kerngesunder, nationaler Auto-Champion, sondern ein unbeweglicher Koloss. Der Gewinner einer solchen Politik dürfte Toyota heißen.