Odelzhausen. Der Zulieferer W.E.T. will sein Nachrüstgeschäft weiter ausbauen. "Es ist offensichtlich ein Markt dafür vorhanden, Fahrzeuge nachträglich mit einer Sitzklimatisierung oder -heizung auszustatten“, erläutert Caspar Baumhauer. Der Vorstandschef des Herstellers von Sitzheizungen und Kabelsystemen sieht vor allem Potenzial in den sich noch entwickelnden Märkten wie etwa Russland und China. Im Fokus hat Baumhauer auch die Elektrifizierung von Fahrzeugen. Er ist davon überzeugt, dass bei Elektroautos wegen der fehlenden Abwärme eines Verbrennungsmotors die sogenannte Kontaktheizung an Bedeutung gewinnen wird. Neben dem Sitz sieht er noch Anwendungsmöglichkeiten etwa bei der Beheizung von Lenkrad, Mittelkonsole und Türverkleidung. Weil an diesen Stellen direkt geheizt werden kann, werde insgesamt weniger Energie benötigt, um im Auto den gleichen Komfort zu erreichen wie bei einer konventionellen Heizung.
Auch das Geschäft mit der Belüftung von Sitzen soll zulegen. W.E.T. hatte dafür vor einem Jahr den chinesischen Lüfterhersteller Shanghai Comair Cooling Fan zu 100 Prozent übernommen. Für den Zulieferer ist der Lüfter sowohl von der Wertschöpfung wie von der Funktionalität her ein entscheidendes Bauteil für die Sitzklimatisierung. Der Manager will sich auch künftig ganz aufs Automobilgeschäft konzentrieren und ist schon aus Kostengründen nicht auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern: "Wir sehen nicht, dass wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln ein komplett anderes Geschäft hochziehen könnten.“ Die Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie werden dabei weiterhin anspruchsvoll bleiben: "Es wird in den kommenden Jahren sehr schwierig werden, die Kapitalmärkte davon zu überzeugen, dass sie wieder in die Autoindustrie investieren sollen.“
Wichtiger als Wachstum ist ihm die finanzielle Unabhängigkeit des Zulieferers, dessen Großaktionär der Finanzinvestor HG Capital ist. Im Falle von W.E.T. sieht Baumhauer keinen Nachteil darin, einen solchen Finanzinvestor an Bord zu haben: "Bei W.E.T. wurden im Gegensatz zu vielen anderen Fällen die Schulden der Übernahme nicht in die Bilanz des Unternehmens übernommen.“ Die Bayern hatten Mitte 2008 noch rund 4500 Mitarbeiter. Ende 2008, nach Personalabbau im direkten wie im indirekten Bereich, hatte der Zulieferer die Belegschaft auf etwa 3500 reduziert. Derzeit sind vor allem durch Neueinstellungen in Europa und Asien wieder 3900 Mitarbeiter beschäftigt. Denn das Geschäft läuft wieder besser: Die Kurzarbeit wurde schon Anfang Oktober beendet. Ursprünglich sollte sie Ende 2009 auslaufen. Baumhauer rechnet damit, beim Umsatz etwa 15 Prozent unter dem Wert von 2008 (170 Millionen Euro) zu liegen. "Und wir werden dieses Jahr auch Geld verdienen.“ Das Unternehmen war zwar bereits 2008 operativ profitabel, "aber aufgrund von Sonderabschreibungen waren wir in die roten Zahlen gerutscht."