Stuttgart/ Wolfsburg. Volkswagen baut seinen Einfluss bei Porsche aus: Europas größter Autobauer entsendet zum 1. Oktober seinen bisherigen Chef-Produktstrategen Matthias Müller, 57, als neuen Porsche-Chef nach Stuttgart-Zuffenhausen. Dies teilte Porsche am Dienstag mit. Müller ist seit 2007 Leiter der Produktstrategie und -planung bei VW. Davor leitete er das Produktmanagement der Audi-Marken und gilt seit dieser Zeit als enger Vertrauter von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. Über den Wechsel des bisherigen VW-Chefstrategen Müller an die Porsche-Spitze wird seit Wochen in der Branche spekuliert. Automobilwoche hatte bereits im Juni über die bevorstehenden Personalien berichtet (siehe Link unter diesem Beitrag).
Porsche-Chef Michael Macht (49) wird ab Oktober bei den Wolfsburgern als Produktionschef auf Jochem Heizmann (58) folgen, der wiederum laut Mitteilung von VW ab Oktober die neu geschaffene Nutzfahrzeug-Sparte von Volkswagen führen soll. VW-Chef Martin Winterkorn: "Das Lkw-Geschäft ist ein entscheidender Bestandteil der Wachstumsstrategie des Volkswagen Konzerns. Entsprechend ihrer Bedeutung werden die Lkw-Aktivitäten zukünftig direkt vom Konzernvorstand gesteuert."
"Ich komme nicht nach Zuffenhausen, um hier die Interessen von Volkswagen durchzusetzen", betonte Müller am Dienstag bei einer Betriebsversammlung am Porsche-Hauptsitz. "Mein Auftrag ist vielmehr, das Profil von Porsche im integrierten Automobilkonzern zu schärfen, die Identität unserer Marke zu wahren und auszubauen."
Winterkorn findet in der Mitteilung lobende Worte für Macht: "Als Nachfolger von Jochem Heizmann rückt mit Michael Macht ein ausgewiesener Produktionsexperte in den Vorstand des Konzerns auf. Er wird die bestehenden Produktivitätsziele des ‚Volkswagen Wegs' mit Nachdruck verfolgen und die Expansion der Produktionskapazitäten des Konzerns weiter vorantreiben." Macht wird als Produktionschef die Steuerung sämtlicher Werke des Volkswagen-Konzerns verantworten.
Der Manager hatte vor etwa einem Jahr die Nachfolge des langjährigen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking übernommen. Wiedeking war - wie auch der ehemalige Finanzchef Holger Härter - im vergangenen Jahr zurückgetreten, nachdem der Versuch gescheitert war, den VW-Konzern mit riskanten Finanztransaktionen unter die Kontrolle von Porsche zu bringen. Nun wird der Sportwagenbauer bis 2011 als zehnte Marke in den Volkswagen-Konzern eingegliedert. Macht kam 1990 zur Porsche AG. 1994 wurde er Geschäftsführer der Porsche Consulting, 1998 übernahm er den Vorstandsposten für Produktion und Logistik. Seit Juli 2009 ist er Vorstandschef der Porsche AG.