München. Das US-Konsulat in München hat entschieden: Dieses Jahr fahre ich nicht zur Detroit Motor Show. Die Visa-Abteilung war nicht in er der Lage, mir innerhalb von vier Wochen ein neues Journalistenvisum auszustellen. Dabei habe ich die Frage, weshalb man im angeblich freiesten Land der westlichen Welt als Journalist ein Visum braucht und dafür auch noch seine Fingerabdrücke abgeben muss, gar nicht gestellt.
Also findet Nordamerikas wichtigste Automesse ohne mich statt. Früh im Januar in das schmuddelig grau verschneite Detroit zu fahren, das gehörte zwar noch nie zu den touristischen Höhepunkten des Jahres. Doch darum sollte es ja auch nicht gehen. Zwölf Jahre lang war ich Januar für Januar in Detroit. Ich hörte mir Jahr für Jahr die Beteuerungen von General Motors, Ford und Chrysler an, die momentane Verkaufsschwäche sei nur temporär, und schon bald werde es mit dem Absatz wieder bergauf gehen. Jahr für Jahr versicherte man mir, das hohe Rabatt-Niveau sei nur dem aktuellen Lagerbestand geschuldet, und schon bald würden die Preise wieder steigen. Und überhaupt: Die Modelle, die man in der Pipeline habe, ließen nur den Schluss zu, das die Zukunft strahlend sei. Die winterliche Märchenstunde fällt dieses Jahr also aus. Eigentlich kein Verlust.
Ich werde also nicht das jüngste Facelift des Pick-ups Ford F150 sehen, des meistverkauften Autos in den USA, dessen 70er-Jahre-Technik Jahr für Jahr mit etwas anders gebogenem Blech kaschiert wird. Ich muss mir nicht die Design-Katastrophen von Cadillac, Chevrolet, Dodge und Chrysler anschauen, die beim europäischen Betrachter nur ungläubiges Staunen hervorrufen. Ich brauche nicht in die schmunzelnden Gesichter asiatischer Automanager zu blicken, die nach einem Messerundgang mit der Gewissheit an ihre Stände zurückkehren, mit der US-Konkurrenz auch weiterhin leichtes Spiel zu haben. Und VW, BMW, Mercedes? Muss man wirklich um die halbe Welt fliegen, um Menschen zu treffen, deren Arbeitsplatz in München, Stuttgart oder Wolfsburg ist? Wir sehen uns in Genf! Ohne Visum, aber mit dem Geruch des beginnenden Frühlings in der Luft, der viel angenehmer ist als ein endloser Winter.