Brüssel. Das Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit Südkorea ruft bei Europas Autobauern unterschiedliche Reaktionen hervor. Der europäische Branchenverband ACEA warnt vor anhaltenden Wettbewerbsnachteilen. Auch der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht größere Vorteile bei Südkorea. Das am 6. Oktober unterzeichnete Abkommen gilt als wegweisend für ähnliche Verträge, insbesondere mit Japan. Binnen fünf Jahren sollen nun fast alle Handelszölle zwischen der EU und Südkorea wegfallen. Das Abkommen tritt am 1. Juli 2011 in Kraft – sechs Monate später als ursprünglich geplant. Italien hatte sich zunächst dagegengestemmt, weil Wettbewerbsvorteile für Hyundai und Kia befürchtet wurden.
Schätzungen zufolge wird das Abkommen in erster Linie koreanische Kleinwagen für die europäischen Kunden um 500 bis 700 Euro günstiger machen. Betroffen sind deshalb vor allem Fiat, PSA und Ford. "Das Abkommen wird die europäische Wettbewerbsfähigkeit beschädigen“, warnt Fiat- Chef Sergio Marchionne. Und Ford-Finanzchef Lewis Booth kritisiert, der Vertrag sei "sehr einseitig zugunsten von Korea“. Kein negativer Kommentar ist dagegen von Mercedes, BMW oder Audi zu hören. Die Premiummarken können sich über sinkende Handelshemmnisse in Südkorea freuen. Auch Zulieferern eröffnet der Vertrag neue Chancen.
Am Pranger stehen nun Hyundai und Kia, aber auch die GMTochter Chevrolet (Daewoo). "Wir profitieren gar nicht davon, weil unsere Fahrzeuge an ganz anderen Orten produziert werden“, wehrt sich jedoch Hyundai- Deutschland-Chef Werner H. Frey. In der Tat bauen die Koreaner viele ihrer in Europa verkauften Autos auch dort, Kia beispielsweise produziert im slowakischen Zilina den Cee'd und den Sportage. Der ACEA und der VDA betonen, dass zu fairen Handelsbeziehungen mehr als ein Freihandelsabkommen gehört. Die Verbände befürchten, dass Südkorea mit seinen CO2-Gesetzen auch künftig die Rivalen aus Europa fernhalten könnte.
Seoul plant, den CO2-Ausstoß von Autos auf 140 Gramm je Kilometer zu begrenzen. Das ist zwar mehr als das 130-Gramm- Ziel der EU, soll aber früher erreicht werden. Auf Druck der europäischen Autobauer wurde aber eine Klausel in das Abkommen aufgenommen, die die europäischen Automobilhersteller von dieser geplanten Auflage ausnimmt. Den ACEA treiben noch weitere Sorgen um: Die Rivalen aus Fernost könnten günstige Komponenten bei ihren Nachbarn einkaufen und sich dann vom südkoreanischen Staat die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen. Das aber sei den Europäern verwehrt. Die Hoffnungen der europäischen Kleinwagenbauer ruhen jetzt auf dem EU-Parlament, das dem Abkommen noch zustimmen muss.