München. "Beim Schutz geistigen Eigentums kennen wir kein Pardon“, erklärt Arnd Franz, Geschäftsführer Mahle Aftermarket. Der Zulieferer hat vor allem bei Kolbenringen und Filtern, aber auch bei anderen Motorenteilen mit Markenfälschungen zu kämpfen. Die Stuttgarter sind nicht die einzigen Betroffenen: Viele Zulieferer, die im Nachrüstgeschäft agieren, werden mit Plagiaten konfrontiert. So auch Schaeffler, ein führender Hersteller von Wälzlagerprodukten. "Grundsätzlich gilt, dass nahezu alles gefälscht wird“, so die Erfahrung von Ingrid Bichelmeir-Böhn. Sie kümmert sich bei dem Zulieferer aus Herzogenaurach um das Thema Produktpiraterie. Zwar blieben bei Schaeffler 2009 spektakuläre Funde von mehreren 100.000 gefälschten Teilen aus, aber es wurde eine steigende Anzahl von Fällen gegenüber den Vorjahren registriert. "Wir lernen durch jeden Fall dazu und finden dadurch mehr Fälschungen“, so eine Erklärung von Bichelmeir-Böhn.
Im Jahr 2009 registrierte der Zulieferer mehr als 100 Aktionen, in denen gefälschte Produkte dank der Mithilfe chinesischer Behörden beschlagnahmt werden konnten. Zudem merkt die Managerin an, "dass aufgrund der Wirtschaftskrise einige Kunden vermehrt nach scheinbaren Schnäppchen suchen“. Die Kosten durch Plagiate sind für die Unternehmen immens. Bei ZF Services, einem Tochterunternehmen des ZF-Konzerns, wird auf Branchenschätzungen verwiesen. Danach liegt heute der Marktanteil von Fälschungen im Kfz-Ersatzteilgeschäft bei weltweit über zehn Prozent. Das würde einem Umsatz von über 120 Milliarden Euro entsprechen. Mahle-Geschäftsführer Franz hält indes "bis zu zehn Prozent des Umsatzes für deutlich zu hoch gegriffen“. "Allerdings“, so räumt er ein, "gibt es Länder wie Nigeria, in denen weit mehr als die Hälfte der gehandelten Waren Fälschungen sind. Eine Riesenaufgabe für unseren dortigen Vertrieb.“ Der Aftermarket-Chef hält weltweit einen niedrigen einstelligen Prozentsatz für realistisch.
Gefälscht wird vor allem in China und anderen asiatischen Staaten. "Wir haben in China 2009 gefälschte Automobilprodukte im Wert von 5,3 Millionen Euro beschlagnahmt“, erklärt Wolfgang Saueressig, Bosch Senior Manager für Markenschutz Automotive Asien-Pazifik. "Die Situation in Ländern wie der Türkei hat sich durch die engere Anbindung an die europäischen Märkte hingegen verbessert“, erläutert Mahle- Manager Franz. Bei Schaeffler geraten beim Thema Fälschungen zunehmend bislang eher unverdächtige Länder wie Spanien, Italien und die USA ins Visier der Ermittler. "In Deutschland sind wir von diesem Problem noch nicht betroffen. Wir beobachten den Markt allerdings sehr aufmerksam“, so Bichelmeir-Böhn.
Insgesamt bedienen sich die Zulieferer eines breiten Instrumentariums, um die Produktpiraterie einzudämmen. "Wir gehen sehr erfolgreich mit rechtlichen Schritten gegen Fälscher vor“, heißt es etwa bei Schaeffler. "Von sehr großer Bedeutung ist für uns die Aufklärung der Verbraucher, bringt Bosch-Manager Saueressig einen weiteren Aspekt ins Spiel – eine Vorgehensweise, auf die man auch bei ZF Wert legt. Um Fälschungen zu identifizieren, wird beim Weltmarktführer Bosch neben einem Hologrammstreifen sowie weiteren offenen und verborgenen Merkmalen in das Sicherheitslabel zusätzlich ein 15-stelliger Zahlenschlüssel integriert. "Mit diesem Code lässt sich die Echtheit der Produkte von jedem Ort der Welt aus online überprüfen. Dazu geben der Händler, die Werkstatt oder auch der Endverbraucher den Zahlencode über das Internet in die Überprüfungs-Webpage www.protect.bosch.com ein und erfährt dort, ob es sich um ein originales Bosch-Produkt handelt.“