Bergisch-Gladbach. Toyotas galt jahrzehntelang als Weltmeister in Sachen Qualität. Der japanische Hersteller ist Erfinder des längst zum Industriestandard gewordenen "ständigen Verbesserungsprozesses", Kaizen genannt. Doch dieses Image hat durch die Rückrufaktion tiefe Risse bekommen. Die Qualität hat nicht mit dem rasanten Wachstum Schritt gehalten, meint Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach, im Gespräch mit der Automobilwoche.
"Toyota ist jetzt nicht mehr unschlagbar"
Das Image ist stark belastet, und zwar wegen der Dimension des Rückrufes und wegen des weltweiten Medienechos. Für Toyota stand Qualität immer im Kern der Marke, deshalb ist dieser Rückschlag tatsächlich ernst zu nehmen. Wenn aber nichts Neues nachkommt und Toyota das Problem sauber löst, werden die Kunden es als Ausrutscher betrachten.
Toyota hat einen enormen Wachstumsprozess hinter sich und es dabei nicht geschafft, die Qualität in gewohnter Weise an allen Produktionsstandorten zu gewährleisten. Vor allem in Nordamerika sind die Beziehungen zu den Zulieferern noch nicht so eingespielt, der Kaizen-Prozess ist noch nicht so selbstverständlich wie in Japan.
Das Krisenmanagement ist suboptimal. Die Fußmattenproblematik in Nordamerika war schon längere Zeit bekannt – das kann einem Hersteller in den USA sehr teuer zu stehen kommen. Spätestens bei dem Verdacht, dass Todesfälle denkbar sind, hätte man sofort und konsequent handeln müssen.
Indirekt profitieren davon natürlich alle Wettbewerber. Für Volkswagen zeigt sich: Toyota ist nicht unangreifbar und nicht mehr unschlagbar. Das galt seit einem Jahr schon in finanzieller Hinsicht, und nun auch in technologischer Hinsicht. Für Euphorie in Wolfsburg wäre es aber verfrüht, der Weg ist noch lang für VW & Co.