Die Übernahme des Chefsessels bei Porsche war ein Feuerwehr-Job, um den Macht sich nicht gerade gerissen hat. Da VW einen neuen Produktionsvorstand gesucht hat, war die ideale Lösung schnell gefunden: Macht geht in den VW-Konzernvorstand, was auch als Signal an die Porsche-Belegschaft zu verstehen ist: Seht her, auch einer von euch kann es bei VW schaffen. Für VW-Chef Martin Winterkorn ist Macht eine "Idealbesetzung".
Die wichtigsten Fragen und Antworten zu VW und Porsche
"Entwicklung der Ikone 911 bleibt in Weissach“, verspricht Winterkorn. Wer aber den neuen Mittelmotor-Baukasten verantwortet, Porsche, Audi oder Volkswagen, steht noch nicht fest. Alle drei Marken könnten mit diesem Baukasten einen Sportwagen bauen. Porsche könnte ihn unterhalb des Boxster platzieren, oder damit den Boxster selbst ersetzen. Winterkorn: "Volkswagen hat die Absicht, einen kleinen Sportwagen zu machen.“ Porsche wohl bald auch.
Müller hat im VW-Konzern an zentraler Stelle die Produktstrategie und –planung überwacht. Damit kannte er die technischen Baukästen und Komponenten der VW-Marken wie nur wenige. Nun soll er im Auftrag von Konzernchef Winterkorn bei Porsche den Einsatz möglichst vieler, kostengünstiger Teile aus dem VW-Regal durchsetzen und so Synergien schöpfen.
Volkswagen hat sich die Übernahme von Porsche viele Milliarden kosten lassen. Das wertvollste an Porsche ist dabei die Marke. Diese Marke wird VW kaum dadurch beschädigen, dass Porsche künftig VW-Modell unter eigenem Label vertreibt. Winterkorn: "Wir werden die Marke nicht verwässern.“ Zudem ist der VW-Konzern von der Plattformstrategie längst abgerückt und verfolgt eine Gleichteile- und Komponentenstrategie. Dass Porsche künftig Komponenten und Teile aus dem VW-Regal verwenden wird, ist ausgemacht. Dies soll jedoch vor allem dort geschehen, wo es der Kunde nicht merkt, sagt Winterkorn.
Die offizielle Version: Heizmann werde als Koordinator und Integrator der VW-Beteiligungen Scania und MAN gebraucht. Die beiden Lkw-Hersteller, die sich nicht mögen, sollen zu mehr Synergien gezwungen werden. Doch es gibt auch eine andere Version: Heizmann soll dem mächtigen VW-Betriebsrat mit seinen Vorschlägen zur Kostensenkung zu unbequem geworden sein, meldet der Flurfunk in Wolfsburg. Da er aber von Winterkorn und VW-Patriarch Ferdinand Piech hoch geschätzt wird, wurde er mit dem Lkw-Job bedacht.
Winterkorn war selbst einmal für die Qualität der VW-Produkte zuständig und weiß, wo die Probleme liegen: In unabhängigen Studien wie der von JD Power in den USA landet die Marke VW regelmäßig unter dem Durchschnitt. Audi ist etwas besser, Porsche aber seit vergangenem Jahr auf Platz eins. Deshalb hat Winterkorn nun Porsche-Qualitätschef Frank Tuch vom Weggang zu Lotus abgehalten und als Qualitätschef in den VW-Konzern geholt. Winterkorn hält viel von dem jungen Manager, der sich mit einem Erfolg im neuen Job sicher für höhere Weihen im VW-Konzern.
Entschieden ist, dass Porsche ein kleineres SUV unterhalb des Cayenne bauen wird, wahrscheinlich mit Komponenten des Audi Q5. Ein in Zuffenhausen umstrittenes Projekt. Denn mit dem kleineren Auto werden man auch weniger verdienen, befürchten Porsche-Manager, und zugleich Kunden vom Cayenne weglocken. Andererseits muss Porsche den Volumenverlust beim Cayenne ausgleichen. Nicht sicher aber ist, ob Porsche einen Sportwagen unterhalb des Boxster bauen wird. Er könnte einen Vierzylinder-Motor aus dem VW-Regal bekommen. Bisher weigern sich die Zuffenhausener beharrlich, sich an dem VW-Projekt zu beteiligen.
Derzeit fährt Porsche in Stuttgart wegen der schwachen Nachfrage nach Boxster und 911 Kurzarbeit. Ob der Personalstand von weltweit 12.600 Beschäftigten gehalten werden kann, muss sich zeigen. Dazu braucht Porsche auf jeden Fall weitere Modelle, die mit Hilfe von VW entwickelt werden müssen. VW-Chef Winterkorn verspricht: "Wir müssen die Produktion so steigern, dass wir die Beschäftigung in Deutschland halten und im Ausland weiter wachsen.“ Bis zum 21. Juli will der Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück mit dem Management einen Standortsicherungsvertrag aushandeln, der die Jobs der 8600 Beschäftigten in Stuttgart, Ludwigsburg und Weissach sichert.
Porsche hatte die versuchte Übernahme von Volkswagen auch damit begründet, dass ein so kleiner Hersteller gar nicht in der Lage ist, Komponenten wie eine Elektronik-Plattform oder einen Hybridantrieb zu entwickeln. Durch die Zusammenarbeit mit Volkswagen hat Porsche künftig Zugang zu solch modernen Systemen zu relativ niedrigen Kosten.