Teilweise können wir nur mit der Unterstützung der Fahrzeughersteller bestimmte Zulieferer dazu bewegen, uns die Teile in den benötigten Mengen zur Verfügung zu stellen. Bei bestimmten Produkten, etwa im Elektronikbereich, gibt es einen Kampf um knappe Güter.
"Zulieferer kommen um Kooperationen nicht herum"
Die bereitet uns Sorgen. Alle für uns signifikanten Materialien haben auf der Preisseite extrem angezogen, insbesondere da die Rohstoffe international in Dollar abgerechnet werden. Die Preissteigerungen werden die Branche finanziell noch stark belasten.
Vielleicht muss der Handlungsdruck erst noch größer werden. Bei der weiteren Verschärfung des Kostendrucks kann ich mir nicht vorstellen, dass die Zulieferbranche um Kooperationen herumkommen wird. Die Frage ist für mich nur, wann und unter welchen Vorzeichen das geschieht.
Noch Mitte vergangenen Jahres haben wir nicht damit gerechnet, dass es eine so schnelle Erholung auf der Nachfrageseite geben würde. Wenn nicht auf der großen finanzpolitischen Bühne unvorhergesehene Dinge passieren, werden wir einschließlich der übernommenen Cabrio-Sparte von Edscha wieder auf dem Niveau des Jahres 2007 liegen. Also bei knapp 1,8 Milliarden Euro Umsatz.
Wir sehen durchaus Chancen, beim Umsatz in den nächsten Jahren die Zwei-Milliarden-Euro-Grenze zu knacken.
Wir hatten bereits Mitte 2008, also deutlich vor der Krise, beschlossen, ein Kostensenkungsprogramm für beide Webasto-Geschäftssparten auf den Weg zu bringen. So haben wir es geschafft, trotz eines 22-prozentigen Umsatzeinbruchs 2009 gegenüber 2008 operativ noch so gerade in den schwarzen Zahlen zu bleiben. Die Programme wirken auch im Jahr 2010. Das heißt, wir können in diesem Jahr weiterhin die niedrige Kostenbasis nutzen. Trotz der positiven Ansätze wollen wir aber die vorsichtige und sehr kostenbewusste Führung des Unternehmens beibehalten.
Trotz der Akquisition der Cabriodach-Sparte von Edscha sind wir solide aufgestellt. Bei der immer wichtigeren Kenngröße Nettofinanzschulden sind wir ausgeglichen, das heißt Cash und Finanzschulden halten sich die Waage. Das ist natürlich auch wichtig für unsere Kunden. Sie wissen somit, dass sie nicht nur einen langjährigen, sondern auch einen finanziell soliden Partner an ihrer Seite haben.
Bislang sind wir gut durch die Krise gekommen. Das liegt auch daran, dass wir auf wirtschaftlich leistungsfähige Lieferanten geachtet haben.
Im Zuge des Aufschwungs ist das Ausfallrisiko tendenziell geringer geworden. Aber die Gefahr ist natürlich nicht vorbei. Der steigende Working-Capital-Bedarf muss finanziert werden. Es bleibt abzuwarten, wie es dabei um die Kreditwürdigkeit der Zulieferer bestellt ist. Ich rechne nicht mit einer Entlastung, vielmehr mit stärkeren Auflagen bei der Kreditvergabe durch die Banken – natürlich immer abhängig von der Gesamtverfassung eines Unternehmens.
Unser Umsatzanteil in der Region liegt bei 30 Prozent. Wir sind schon seit 1978 in Japan aktiv, seit 1988 in Korea und seit 2001 auch in China. In Japan und Korea liegen schon schwierige Zeiten hinter uns, aber in den vergangenen Jahren haben wir auch dort vom Wachstum zum Beispiel der koreanischen Fahrzeughersteller – allen voran Hyundai und Kia – profitiert. Der chinesische Markt erlebt eine unglaubliche Entwicklung. Unsere Kunden sehen dort in den kommenden Jahren weiterhin gute Wachstumschancen. Viel wird auch davon abhängen, wie sich die Rahmenbedingungen in China weiter entwickeln.
Allen voran das Thema Lokalisierung. Derzeit beschäftigt sich die ganze Branche damit, leistungsfähige lokale Lieferanten in China zu finden und zu entwickeln. Der Trend in der Lokalisierung geht in Richtung 90 Prozent und mehr in den nächsten Jahren.
Wir sind dort Marktführer mit deutlichem Abstand. Eigentlich besteht China für uns aber aus fünf Einzelmärkten. Wir haben es dort mit amerikanischen, japanischen, koreanischen, europäischen und rein chinesischen Fahrzeugherstellern zu tun. Und alle fünf Gruppen mit ihren unterschiedlichen Prozessen und Strukturen müssen wir bedienen können.
Ja, die liegen bei einem Marktanteil von etwa fünf Prozent.
Derzeit noch nicht. Es werden noch Jahre vergehen, bis die chinesischen Zulieferer die notwendige Qualität und Internationalität erreicht haben, um auch globale Projekte im Dachbereich bedienen zu können. Die Situation kann sich natürlich schnell ändern, wenn sich ein chinesischer Zulieferer einen der etablierten Marktteilnehmer kaufen sollte. Ähnlich wie zuletzt bei den Fahrzeugherstellern, durch die Übernahme von Volvo durch Geely.