Rüsselsheim. Die Opel-Mitarbeiter in Eisenach rechnen fest damit, dass das angekündigte neue Mini-Modell unterhalb des Corsa in "ihrem“ Werk in Thüringen gebaut wird. Tatsächlich aber tüfteln die Opel-Strategen noch an anderen Szenarien zum Projekt "Junior“. So wird zurzeit geprüft, ob nicht auch ein abgespeckter Corsa unter der Bezeichnung "Classic“ als Einstiegsmodell dienen könnte. Das erfuhr die Automobilwoche aus dem Umfeld des Unternehmens. Unklar ist freilich, ob ein solches Classic-Modell einen Kleinstwagen obsolet werden ließe oder ob damit nur die Zeit bis zum Marktstart eines komplett neuen Minis überbrückt werden soll. Denkbar ist auch eine dauerhafte Erweiterung des Modellportfolios um weitere Classic-Modelle.
Offiziell zumindest will sich Opel derzeit nur mit einem Satz zum Kleinstwagen zitieren lassen: "Bei dem Vorhaben ist produktseitig alles entschieden“, sagt ein Sprecher. Das lässt viel Raum für Interpretationen. "Leicht modernisierte Fahrzeuge eines ausgelaufenen Modells kann ein Hersteller ohne großen Entwicklungsaufwand günstig anbieten und sich damit besonders preissensible Marktsegmente erschließen. Peugeot hat in dieser Hinsicht mit dem 206+ gute Erfahrungen gemacht. Das schaut man sich in Rüsselsheim genau an“, sagt ein Opel-Insider. Opel habe nicht die Markenstärke, um hochpreisige Kleinstwagen im Markt erfolgreich zu platzieren, gibt er zu bedenken. Ein Kleinstwagen zum Preis eines Toyota iQ sei bei Opel nicht vorstellbar. "Um Erfolg zu haben, müsste der Preisabstand zum neuen Corsa mindestens 2000 Euro betragen. Und das ist angesichts gestiegener gesetzlicher Anforderungen zum Beispiel beim Fußgängerschutz nicht ohne Weiteres darstellbar.“ Ein "Junior“-Modell auf einer eigenen, exklusiven Plattform kommt für Opel aus Kostengründen nicht infrage. Die Lösung: Der neue Mini soll die künftige Plattform des neuen Corsa mitnutzen. Das Problem: Der neue Corsa kommt erst 2013 auf den Markt. Das aktuelle Modell wird im kommenden Jahr zunächst noch einem Facelift unterzogen, was seine Lebensdauer um rund zwei Jahre verlängern soll. Opel-Chef Nick Reilly hat sich bislang nur einen konkreten Satz zum Projekt "Junior“ entlocken lassen: "Wir haben uns entschieden, ein solches Fahrzeug anzubieten“, hatte er Anfang August erklärt. Er dementierte aber ausdrücklich Zeitungsberichte, wonach der Produktionsstandort Eisenach bereits beschlossene Sache sei und der Standort im spanischen Saragossa somit vom Tisch. Eisenach sei "sicher ein starker Kandidat“, sagte Reilly diplomatisch.