München. Eines der prominentesten Opfer der Finanz- und Wirtschaftskrise ist aufgeteilt worden. Die Sparte Karosserieprodukte von Edscha gehört seit dem 1. April zum spanischen Zulieferer Gestamp Automoción, die Cabrio-Sparte des Zulieferers aus Remscheid wurde schon im Herbst 2009 an den bayerischen Wettbewerber Webasto verkauft. Für den Insolvenzverwalter von Edscha, Jörg Nerlich, war das Insolvenzverfahren im Falle der Remscheider insofern ein Glücksfall, "da in Deutschland nur sehr wenige Arbeitsplätze verloren gegangen sind“. Zwar mussten die Arbeitnehmer Zugeständnisse machen, doch insgesamt wurden nur 65 von insgesamt 2200 Arbeitsplätzen gestrichen.
Insolvenz als Chance
"Dem Unternehmen ist letztlich das sehr enge Finanzierungskonstrukt zum Verhängnis geworden. Es waren einfach keine Finanzreserven mehr da“, erläutert Nerlich. Der Fall Edscha habe aber auch gezeigt, dass eine Insolvenz durchaus eines Chance für ein Unternehmen sein kann. So hat der Zulieferer davon profitiert, dass er sich aus dem Gerüst seines bisherigen Finanzierungskonstrukts befreien konnte. "Die Insolvenzordnung bietet diese Chance“, so Nerlich. Zuvor waren die Remscheider an das Finanzierungsgeflecht eines aus rund 30 Geldhäusern bestehenden Bankenkonsortiums gebunden. Nerlich plädiert dafür, dass Firmen, die in finanzielle Schieflage geraten sind, die Möglichkeit einer vorbereiteten Insolvenz inklusive eines Sanierungsplans prüfen sollten, um das Unternehmen zu retten. "Diese Möglichkeit hat sich leider noch nicht bei allen Zulieferern herumgesprochen.“
In vielen Fällen werde auch zu spät reagiert. "Da gibt es dann keinen Kontakt mehr zu Unterlieferanten und Kunden. Die Vertrauensbasis ist gestört.“ Zudem bedauert Nerlich, dass es derzeit weder ein deutsches noch ein europäisches Konzern-Insolvenzrecht gibt. Dadurch kann es im Falle einer Zahlungsunfähigkeit zu Schwierigkeiten bei der Behandlung ausländischer Tochtergesellschaften kommen. Nerlich rechnet mit einer weiteren Konsolidierungsrunde in der Zulieferindustrie. Er hat den Eindruck, dass es noch viele Unternehmen gibt, "die versuchen, sich durchzuhangeln“.