München. Humorvolle Automobilwerbung, die spontan auf aktuelle Entwicklungen in Politik oder Gesellschaft reagiert, ist selten. Je größer das Unternehmen, desto länger die Abstimmungsprozesse. „Mit einem schwerfälligen Apparat kann man nur schwer einen Werbecoup landen“, sagt Erich Sixt, Chef des gleichnamigen Autovermieters. Er setzt seit Jahrzehnten erfolgreich provokante Anzeigen ein, um von sich reden zu machen. Entschlussfreudig zeigt sich auch ein kleineres Unternehmen aus der Autobranche.
Alexander van de Ven verantwortet als einer von zwei Geschäftsführern das Marketing des Autogroßhandels Automanager BVBA. Als Opel die „lebenslange“ Neuwagengarantie einführte, schaltete er kurz darauf Anzeigen mit „Happy Lebenslänglich“. „Die Idee von Opel finde ich top“, begründet van de Ven seine Werbe- Reaktion. „Jeder Autofahrer will lebenslang seine Ruhe haben.“ Sein Unternehmen verfügt nur über ein sehr begrenztes Marketingbudget. „Deshalb versuchen wir, mit wenig möglichst viel zu erreichen“, erklärt der Geschäftsführer, der jede Anzeige mit dem Begriff „happy“ kennzeichnet. Das Adjektiv soll für das Resultat seiner Arbeit stehen: „Die Kunden und Lieferanten sind mit uns glücklich.“Ob aktuelle Messen („Happy Autosalon“) oder das Thema Grenzwerte („Happy CO2“) – van de Ven hat das Glück immer auf seiner Seite.
Auch in Pullach bei München ist Werbung Chefsache. Erich Sixt weiß, was er will und setzt seine Entschlüsse schnell in die Tat um. „Eine Marke kann man nur aufbauen, wenn man kreative Ideen hat und sich etwas traut.“ Werbung müsse klare Botschaften enthalten, „ein Schmunzeln erzeugen und manchmal auch provozieren, damit sie auffällt“. Sixt fällt auf. In Anspielung auf die jüngsten Enthüllungen der Plattform WikiLeaks warb der Autovermieter vor Kurzem unter dem Motto „Die US-Geheimdokumente über Sixt“. Unter den abgebildeten BMW-Modellen standen Sprüche wie: „Konkurrenz perlt ab wie Teflon“ oder „Geht in jeder Situation gnadenlos seinen Weg“.
Diese Anzeige stammt von der Münchner Werbeagentur 19:13. Sixt-Mitarbeiter lassen sich aber auch selbst etwas einfallen. So war beispielsweise die Anspielung auf den Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull – „Gehen Sie nicht in die Luft wegen so viel Asche! Mieten Sie für weniger bei Sixt“ – eine Eigenproduktion. „Die besten Werbeideen entstehen spontan, einfach aus Leidenschaft für das, was man tut“, sagt Erich Sixt. Mit seiner Leadagentur Jung von Matt (JvM) verbindet ihn eine jahrzehntelange Zusammenarbeit.
Unvergessen ist die von JvM entwickelte Anzeige mit dem hoch verschuldeten Schlagersänger Matthias Reim in einem Mercedes-Cabrio. Darunter der Text: „Wenn selbst ich mir ein Cabrio leisten kann, können Sie das auch.“ Wenn Erich Sixt zurückblickt, fällt ihm spontan die „legendäre Cabrio-Werbung mit Angela Merkel“ ein. Auch Politiker wie Oskar Lafontaine und Ulla Schmidt bekamen schon ihr Fett weg. „Zum Glück bieten uns Politiker ja immer wieder ausreichend Gelegenheit, Aufmerksamkeit zu erzeugen“, so Sixt. „In Frankreich haben wir im vergangenen Jahr für viel Heiterkeit mit unserer Empfehlung gesorgt, es wie Carla Bruni zu machen – und sich einen kleinen Franzosen zu mieten.“