Herzogenaurach. Nachdem die Schaeffler-Gruppe 2010 ihre Halbjahreszahlen noch in München präsentiert hatte, stellt sie am 28. März ihr Zahlenwerk für das Gesamtjahr in der Bankenmetropole Frankfurt vor. Bereits zuvor hatte der Wälzlagerhersteller einen wichtigen Schritt in Richtung Kapitalmarktfähigkeit getan und das eigene Geschäft sowie die Beteiligung an Continental in einer GmbH gebündelt. Die Schaeffler GmbH fungiert dabei als Management- Holding für das operative Geschäft der Schaeffler-Gruppe und steht zu 100 Prozent im Besitz der Familie Schaeffler.
Nach dem guten Autojahr 2010 wird der von Jürgen M. Geißinger geführte Zulieferer wohl neue Rekordwerte präsentieren. Doch bei allem zu erwartenden Jubel: Nach wie vor drückt ein Schuldenberg von etwa elf Milliarden Euro. Circa fünf Milliarden Euro davon wurden nach der Umorganisation des Konzerns auf die Familienholding übertragen. Zwar verlangen die Banken für diese Schulden keine Zinsen und der Kredit wird auch nicht getilgt. Doch der Betrag muss mit Endfälligkeit der Kredite 2014/2015 gezahlt werden. Um sich von einem Teil dieser Schuldenlast zu befreien, soll Schaeffler den Verkauf von Conti- Aktien vorbereiten, wird spekuliert.
Die Rede ist von einer Größenordnung zwischen zehn und 25 Prozent der Conti-Aktien. Schaeffler will solche Marktgerüchte nicht kommentieren. Derzeit hält der Wälzlagerhersteller einen Anteil von 75,1 Prozent an Conti: 42 Prozent direkt, der Rest der Anteile ist bei zwei Banken „geparkt“. Der Zeitpunkt für einen Verkauf scheint günstig, denn Conti verdient mit seinen Produkten wieder Geld. 2010 stieg der Umsatz um ein Drittel auf rund 26 Milliarden Euro. Für 2011 rechnet Konzernchef Elmar Degenhart mit mehr als 28,5 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg auf 1,9 Milliarden Euro. Im Krisenjahr 2009 lag der operative Verlust bei einer Milliarde Euro.
Der Schuldenstand von Conti, der nach der Übernahme von Siemens VDO (2007) bei rund elf Milliarden Euro lag, wurde auf etwa 7,3 Milliarden Euro reduziert. Im Verlauf dieses Jahres soll die Schuldenlast auf unter sieben Milliarden Euro sinken. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Das Conti-Papier hat den Wert binnen Jahresfrist um rund zwei Drittel gesteigert. Derzeit liegt der Kurs bei 58,36 Euro (17.3.), sodass ein Verkauf von 25 Prozent des Unternehmens gut drei Milliarden Euro in die Schaeffler-Kasse spülen könnte.
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg- Essen rechnet damit aber nicht: „Schaeffler wird diesen Schritt nicht ohne Not machen.“ Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der FH der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, hält es indes „für keinen schlechten Zeitpunkt“, um durch einen Verkauf die Schuldenlast zu senken.