Friedrichshafen. 2011 war für den Zulieferer ZF Friedrichshafen ein Jahr der Weichenstellung. So hat das Unternehmen seit August im Rahmen einer Neuausrichtung seine großen deutschen Gesellschaften unter dem Dach der ZF Friedrichshafen AG vereint. Mit diesem Schritt will der Konzern transparenter werden und aus Effizienzgründen die Anzahl der Ansprechpartner für die Kunden im Konzern verringern.
Schon zu Jahresbeginn hatte der Getriebespezialist sein Geschäft auf die vier Divisionen Antriebs-, Fahrwerk-, Nutzfahrzeug- und Industrietechnik konzentriert. Geleitet wurde das Projekt zur strategischen Neuausrichtung von Stefan Sommer. Der Manager, seit 2008 bei ZF an Bord, verantwortet seit Oktober 2010 als Vorstand das Ressort Materialwirtschaft. Er wird der neue starke Mann beim drittgrößten deutschen Zulieferer. Zum Jahresbeginn 2012 wird er stellvertretender Vorstandsvorsitzender und übernimmt ab dem 1. Mai den Chefposten von Hans-Georg Härter, der in den Ruhestand geht. Sommer hatte bereits als Vorstand der ZF Sachs AG die Entwicklung von Produkten für die Elektromobilität vorangetrieben. Doch das Hauptgeschäft von ZF sind Automatikgetriebe. Erst kürzlich hat der Autobauer BMW erstmals seine Zulieferer für ihre Innovationen geehrt und in seiner wichtigsten Kategorie „Efficient Dynamics“ ZF für das Achtgang- Automatikgetriebe prämiert. Und auch von der neuesten Getriebegeneration verspricht sich der Zulieferer rege Kundennachfrage. Schon jetzt hat das Unternehmen für seine Neungang- Automatik, die sich für den Front- Quer-Einbau eignet, neben dem Abnehmer Chrysler noch zwei weitere Kunden gewonnen: einen japanischen sowie einen europäischen Hersteller.
Im Jahr 2011 will ZF 1,5 Millionen Automatikgetriebe verkaufen, für 2012 sind 1,8 Millionen Aggregate geplant. Und 2015 soll die jährliche Getriebezahl bereits drei Millionen Einheiten erreichen. Damit einher geht auch ein Ausbau der Kapazitäten. Zudem will sich der Konzern vom Bodensee künftig breiter aufstellen. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg des Zulieferers, sich im Bereich Windkraft zu etablieren, ist die Übernahme des Windkraftgetriebe- Herstellers Hansen. Derzeit liegt bei ZF der Anteil des Non-Automotive-Geschäfts laut Vorstandschef Härter bei 13 bis 14 Prozent. Angestrebt wird eine Größenordnung von 15 bis 20 Prozent. Bis 2015 will ZF mit Produkten für die Windenergie inklusive Serviceleistungen rund eine Milliarde Euro Umsatz schaffen. Mit der Hansen-Übernahme zählt ZF unter den Herstellern von Windkraftgetrieben neben der Bosch-Tochter Rexroth und Winergy auf Anhieb weltweit zu den drei führenden Anbietern.