München. Der Siemens-Konzern befindet sich im Wandel und wird unter der Führung des Vorstandschefs Peter Löscher umgebaut – gut drei Jahre nach der letzten Umstrukturierung. Neben den drei Sektoren Medizintechnik, Industrie und Energie kommt mit „Infrastructure and Cities“ eine vierte Sparte hinzu. Dafür müssen die Sektoren Industrie und Energie Geschäftseinheiten abgeben. Löscher will mit dem vierten Sektor die wachsende Nachfrage von Städten nach umweltverträglichen Bau- und Verkehrslösungen etwa durch Elektromobilität bedienen.
Die künftig vom bisherigen Strategiechef Roland Busch geführte Sparte kommt mit 81.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 16,5 Milliarden Euro. Der Gesamtkonzern hatte zuletzt mit 400.000 Mitarbeitern 76 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Zudem soll der bislang zur Industrie- Sparte gehörende Lichtspezialist Osram (4,7 Milliarden Euro Umsatz, 40.000 Mitarbeiter) unter der Leitung von Wolfgang Dehen im Herbst an die Börse gebracht werden. Der 57-Jährige, bisher Chef des Energie-Sektors, hatte schon die damalige Siemens- Automobiltochter VDO vor dem Verkauf an den Zulieferer Continental (2007) auf den Börsengang vorbereitet.
Bei Autolampen und LEDs für Fahrzeuge ist Osram weltweit die Nummer eins. Obwohl Siemens mit dem Verkauf von VDO das Geschäft als Autozulieferer aufgegeben hat, setzen sich die Münchner im Rahmen von Mobilitätskonzepten nach wie vor mit dem Thema Auto auseinander. Doch in vielen Bereichen ist für Siemens das Auto derzeit eher Mittel zum Zweck. Ein wichtiges Thema im Konzern sind Smart Grids. Das sind Stromnetze, die für eine Kommunikation zwischen Stromerzeugern, Netzbetreibern und Stromverbrauchern sorgen. Einer der Stromabnehmer sind E-Autos. Smart Grids erlauben es, die Ladephasen der Fahrzeuge optimal zu steuern. So werden Lastspitzen vermieden. E-Autos können zudem als Stromspeicher genutzt werden. Leiter des Konzern-Projekts Smart Grid Applications ist Richard Hausmann.