Oberpfaffenhofen. Autohersteller und Zulieferer lehnen eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote in Führungspositionen ab. Sie sind sich jedoch einig, dass die Zahl der Managerinnen deutlich zulegen muss. "Die Automobilindustrie hat ein eigenes Interesse, den Aufstieg von qualifizierten Frauen und ihre Integration in Führungsgremien nach vorn zu bringen“, so der Verband der Automobilindustrie (VDA) in einer Stellungnahme.
Der Vorstoß von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, eine Frauenquote von 30 Prozent für Vorstände und Aufsichtsräte gesetzlich vorzuschreiben, ist zwar vom Tisch. Dennoch kommt die Industrie um eine Selbstverpflichtung zur Vermeidung gesetzlicher Auflagen wohl nicht herum.
Wie gering der Frauenanteil in den Chefetagen der Autoindustrie ist, zeigt eine stichprobenartige Umfrage der Automobilwoche: Mit zwei Frauen im siebenköpfigen Vorstand schafft von den großen Autoproduzenten hierzulande nur Opel die 30 Prozent-Hürde. Bei Daimler dürfte in Kürze die erste Frau in den Vorstand einziehen und dort das neue Ressort Compliance besetzen. Beim Frauenanteil im mittleren Management kommt VW immerhin auf zehn Prozent, BMW und Daimler liegen bei 8,7 bzw 8,3 Prozent. Porsche und Ford erreichen dagegen nur rund fünf Prozent. "Wir würden gerne mehr Frauen einstellen, aber im zentralen Bereich eines Autoherstellers, dem Engineering, gibt es leider nicht genug weiblichen Nachwuchs“, gibt sogar Frauen-Primus Opel zu bedenken.
Viele Hersteller und Zulieferer halten eine Frauenquote für "nicht zielführend“, fördern weibliche Führungskräfte aber heute schon massiv. Einerseits erhoffen sich die Unternehmen dadurch einen besseren Zugang zu den weiblichen Kunden. Andererseits wird der Kampf um den knappen hochqualifizierten Nachwuchs immer härter. BMW etwa will bis 2020 einen Frauenanteil im Management von 15 bis 17 Prozent, Daimler hat sich 20 Prozent vorgenommen.
"Eine Quote mag Symptome kurieren, nicht aber die Ursachen. Entscheidend ist, dass die Besetzungen kreativer gestaltet werden, ohne Kompromisse bei der Managementqualität. Wichtig ist auch eine andere, offenere Unternehmenskultur“, so Kati Najipoor-Schütte von der Personalberatung Egon Zehnder. Der VDA strebt mit der Politik nun "flexiblere Lösungen“ als eine starre Quote an, um den Frauenanteil in den Führungsetagen weiter zu erhöhen.