Im Alter von acht Jahren wusste Anna Spinelli, dass sie Ingenieurin werden wollte. Während andere Kinder ihren Berufswunsch mehrfach änderten, hielt die Italienerin konsequent daran fest. Allerdings hatte sie nicht geplant, in der Autoindustrie zu arbeiten. Doch als Fiat ihr im Jahr 2002 eine Stelle anbot, sagte sie zu – und blieb der Branche treu. Wenn sie auf ihre Jobs bei Fiat, Opel und General Motors zurückblickt, stellt sie fest, dass "diese Industrie wie für mich gemacht ist“. Und sie für diese Industrie, wie ihr rasanter Aufstieg zeigt. Vor einem Jahr wechselte die 38-Jährige von GM zu BMW. Die Bereichsleiterin Einkauf Fahrdynamik ist die jüngste von drei Frauen in der Ebene unter dem Vorstand.
Spinelli, die an Einkaufschef Herbert Diess berichtet, verantwortet ein jährliches Budget von 4,4 Milliarden Euro für die Marken BMW, Mini und Rolls- Royce – ihr Einkaufsvolumen umfasst rund 60.000 Teile. "Mein Job ist wirklich aufregend, auch wenn viele Leute das beim Beschaffungswesen nicht vermuten würden“, erzählt sie. "Meine Entscheidungen haben zusammen mit denen der Entwicklungskollegen einen direkten Einfluss auf den Fahrspaß unserer künftigen Modelle.“ Bei Fiat erlernte sie die Grundlagen des Autogeschäfts: "Dort habe ich Erfahrungen in der Produktion, im Verkauf und letztendlich im Einkauf gesammelt.“
Während ihrer Einsätze bei GM in Deutschland und den USA mit dem Schwerpunkt Beschaffung übernahm sie in den vergangenen Jahren Führungsaufgaben, als der Konzern durch eine große Krise fuhr. Erfahrungen, die sie für neue Herausforderungen gestärkt haben. Um sich nicht stressen zu lassen, nutzt Spinelli "ein einfaches Prinzip, das mir sehr hilft: Sobald ich die Bürotür hinter mir schließe, denke ich nicht mehr an den Job.“ Entspannung findet sie im Kreis ihrer Familie: "Das italienische Klischee passt perfekt auf mich: Ich habe eine enge Bindung zu meiner großen Familie, die ich häufig besuche.“ Da sie nicht nur beruflich, sondern auch in ihrer Freizeit sehr gerne verreist, passt das für sie perfekt.