Rüsselsheim. Karl-Friedrich Stracke wird entweder als Retter von Opel in die Automobilhistorie eingehen – oder der letzte Chef der Rüsselsheimer Traditionsmarke gewesen sein. Der 54-jährige Diplom- Ingenieur steht seit April an der Spitze von Opel. Ab Januar wird er zudem Präsident von General Motors in Europa sein. Die neue Top-Position ist zu seiner Lebensaufgabe geworden. Stracke bringt alles mit, was einen Automobilchef in Deutschland erfolgreich machen kann: Er ist ein deutscher Maschinenbauer, hat internationale Erfahrung als globaler Entwicklungschef bei GM und zugleich Stallgeruch als ehemaliger Werkleiter bei Opel in Bochum. Zudem gilt er als uneitel und bodenständig.
Nicht zuletzt hat Stracke die ersten ermutigenden Schritte unternommen, der Marke Opel in Deutschland das dringend benötigte öffentliche Gesicht zurückzugeben. Auch deshalb ist seine Berufung im Opel-Handel und bei den 40.000 Mitarbeitern in Europa als Aufbruch in eine neue Ära interpretiert worden. Aber reicht das, um den Interessen der deutschen GM-Tochter mit ihren Besonderheiten im fernen Detroit Gehör zu verschaffen? Ein Opel-Aufsichtsratsmitglied sagte dazu in der vergangenen Woche knapp: „Ob er den Arsch in der Hose hat, werden wir noch sehen.“ Strackes Vorgänger Nick Reilly hatte zu Jahresbeginn noch die Prognose gewagt, dass Opel in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen und 2012 schwarze Zahlen schreiben werde. Das dritte Quartal hat anders entschieden.