Köln/Frankfurt. Volvo-Chef Stefan Jacoby will die Plattform-Vielfalt der Marke rasch und konsequent verringern. Denn der schwedische Hersteller mit einem Jahresabsatz von zuletzt 373.500 Einheiten muss die noch aus der FordÄra stammende Komplexität massiv verringern, um die Kosten einzudämmen. „Wir verfolgen eine auf zehn Jahre angelegte Plattformstrategie, durch die wir den Anteil der Gleichteile erheblich vergrößern wollen“, sagte Jacoby im Gespräch mit der Automobilwoche. Ziel ist eine skalierbare Plattformarchitektur, die die gleichzeitige Produktion unterschiedlicher Modelle auf einer Linie erlaubt. Der Großteil aller künftigen Volvo- Modelle soll auf dieser Architektur namens „Scalable Platform Architecture“ (SPA) stehen.
Abschied vom alten Schweden
„Wenn in wenigen Jahren das erste SPA-Modell vom Band läuft, werden darin rund 90 Prozent aller verbauten Teile neu entwickelt sein“, erläutert Entwicklungschef Peter Mertens. Ein wichtiges Ziel der neuen Plattform ist die Gewichtsreduktion. Künftige Modelle werden bis zu 200 Kilogramm leichter sein als vergleichbare aktuelle Fahrzeuge, verspricht er. Auch eine absehbare Elektrifizierung soll ohne Verlust an Innenraum möglich werden. Nicht zuletzt will Volvo durch die neue Plattformstrategie in puncto Qualität mit den Premium-Wettbewerbern gleichziehen.
Parallel zur neuen Architektur will Volvo eine vollständig neue und selbst entwickelte Motorengeneration mit nur noch vier Zylindern einführen. „Ein Premiumhersteller muss eigene Motoren entwickeln und anbieten“, stellt dazu Unternehmenschef Jacoby fest. Volvo verspricht um bis zu 90 Kilogramm abgespeckte Aggregate und eine Spritersparnis von bis zu 35 Prozent. Die neuen Motoren werden quer eingebaut und sollen mit Elektroantrieben und anderen alternativen Antriebssträngen kombiniert werden können. „Es ist an der Zeit, damit aufzuhören, Zylinder zu zählen“, betont Entwicklungschef Mertens.
Die neuen Benzin- und Dieselmotoren arbeiten mit Direkteinspritzung beziehungsweise Common-Rail-Technik und verfügen über Turboaufladung. Selbst Dreizylindermotoren mit dieser Technik schließt man bei Volvo nicht aus. Auch Volvo-Deutschland-Chef Bernhard Bauer wird einen Teil zur Neuausrichtung beitragen müssen. Denn Jacoby verändert derzeit auch den Auftritt der Marke gründlich. Das Konzept namens „Designed Around You“ soll für einen Luxus stehen, der stets auch Nützliches für die Insassen bietet. Mit der Neuausrichtung sind teilweise auch geänderte Händler-Standards verbunden. Die Volvo-Partner in Deutschland sollen am 24. Oktober alle Details dazu erfahren. Ein Grobkonzept wurde dem Händlerverband bereits im Juli präsentiert. Das Ziel: „Wir wollen noch skandinavischer werden. Volvo soll noch stärker für schlichte und zugleich luxuriöse Eleganz stehen“, beschreibt Bauer die Stoßrichtung.