Burscheid. Das Thema Gewichtseinsparung ist in der Sitzeentwicklung noch nicht ausgereizt. Der US-amerikanische Interieurspezialist Johnson Controls hat ein Fügeverfahren entwickelt, um besonders leichte Rücksitzanlagen fertigen zu können. Dabei besteht der Rahmen der Rücksitze zum Teil aus Aluminium, die Rückwand aus Stahlblech. Die Kombination der Materialien wird erst durch den Einsatz einer speziellen Klebetechnik möglich. Das Ergebnis: 34 Prozent weniger Gewicht bei der Rücksitzstruktur. Andreas Eppinger, Vice President Technology Management bei Johnson Controls Automotive Experience in Burscheid, ist sich sicher: "Unsere modulare Multimaterial-Rücksitzstruktur kommt zur rechten Zeit.“
Gewichtseinsparungen bei Rücksitzanlagen gewinnen an Bedeutung, da hier künftig bei vielen Elektro- und Hybridautos die Batterien und somit zusätzliches Gewicht untergebracht werden müssen. Die Materialstärke der Stahlwand auf der Rückseite der Sitze verringert sich von 0,6 auf 0,4 Millimeter. "Solch dünne Stahlbleche kann man derzeit nicht sicher mit der Rahmenstruktur verschweißen“, gibt Eppinger als Grund für die Klebelösung an. Auch Brose hat sich beim Sportwagen New Stratos mit dem Thema Leichtbau beschäftigt. Für die einteilige Carbon-Sitzschale wurde beim Zulieferer eine Vier-Wege-Sitzverstellung entwickelt, die aus Gewichtsgründen ohne Blenden auskommt. Der Sitz wiegt jetzt nur noch 11,4 Kilogramm. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Sitz inklusive Sitzverstellung bringt etwa 30 Kilogramm auf die Waage. "Das hat auch bei den Sitzespezialisten unserer Kunden Interesse geweckt“, so Gregor Kröner, Leiter Vorentwicklung Sitzsysteme.