Paris. Es ist ruhig geworden um den früheren Renault-Markenchef Patrick Pélata. Seit seiner erzwungenen Demission Mitte April ist der einst so mächtige Renault- Chef praktisch aus der Öffentlichkeit verschwunden. Nach einer Interimsphase übernahm der bisherige Amerika-Chef von Nissan, Carlos Tavares, Anfang Juli den vakanten Posten. Pélata bezahlte für die Fehler des Unternehmens im Umgang mit der sogenannten „Spionageaffäre“. Am Ende musste der 56-Jährige gehen, weil sich die Vorwürfe des Geheimnisverrats und der Bestechlichkeit gegen drei hochrangige Manager in Luft aufgelöst hatten.
Der mitverantwortliche Renault- Nissan-Präsident Carlos Ghosn dagegen blieb im Amt. Er begnügte sich mit dem Verzicht auf die variablen Bestandteile seiner Boni für 2011 und auf Aktienoptionen. Ghosn hat es seither geschafft, das delikate Thema komplett aus der französischen Presse zu hieven. Bei Nachfragen reagiert er unwirsch und erklärt, das Unternehmen habe seine entsprechenden internen Prozesse verbessert. Pélatas konkrete Verfehlungen in der Affäre wurden bis heute nicht bekannt gemacht. Letztlich schulterte er die Verantwortung für die Paranoia, die das Unternehmen erfasste, als anonyme Briefe mit der Bezichtigung der drei Manager auftauchten. Sogar der französische Inlandsgeheimdienst wurde eingeschaltet. Das politische Klima mit China wurde zeitweise eisig, weil französische Medien chinesische Auftraggeber hinter der angeblichen Schnüffelaktion sahen.