Essen/Calvert. Der deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp hat kurz vor Weihnachten nach dreijähriger Bauzeit den ersten Teil eines neuen Stahlwerks in Alabama eingeweiht. Am Standort Calvert soll im Endausbau eine voll integrierte Edelstahl-Produktion stehen, von der aus der nordamerikanische Markt aufgerollt werden soll. Derzeit liegt der Marktanteil des Unternehmens im NAFTARaum bei 15 Prozent.
Dabei werde es nicht bleiben, ist der Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz sicher: „Die Kunden in den USA warten auf uns.“ Diese Kunden sind vor allem in der Autoindustrie zu finden, und zwar fast um die Ecke: Mercedes-Benz, BMW, Toyota und Hyundai betreiben allesamt in Alabama komplexe Fertigungswerke. Weitere Abnehmer der ThyssenKrupp-Produkte in den USA sind die Bau-, Geräte- und Röhrenindustrie. Für das nun errichtete Edelstahl- Werk in Calvert investierte ThyssenKrupp rund 1,4 Milliarden Dollar. Der Ausbau des Werks mit weiteren Verarbeitungsstufen soll Ende 2012 abgeschlossen sein.
Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf fünf Milliarden Dollar. Rund 2700 Mitarbeiter werden dann jährlich rund eine Million Tonnen Edelstahl-Brammen produzieren, die zu Warmband ausgewalzt werden. Schulz sprach bei der Werkseinweihung von der „Renaissance der amerikanischen Industrie“. In den USA liegt der Industrie-Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Leistung bei 16 Prozent – in Deutschland sind es 25 Prozent. Für den Standort sprachen neben den benachbarten Autokunden der geringe Einfluss der US-Gewerkschaften, niedrige Löhne und Hilfen des Bundesstaats in Höhe von 800 Millionen Dollar.