Rüsselsheim. Karl-Friedrich Stracke kann man nicht vorwerfen, bei seinem Start als Vorstandsvorsitzender von Opel im April 2011 einen Posten als Frühstücksdirektor angetreten zu haben. Opel war damals jede Woche in den Schlagzeilen – und die Perspektiven der Rüsselsheimer waren alles andere als rosig. Stracke galt vielen Opelanern als Hoffnungsträger. Ein ausgewiesener Ingenieur, seit 1979 der Marke verbunden und zuletzt Chefentwickler bei General Motors, also gut vernetzt in Detroit. Dazu ist er ein Deutscher, der einst das Bochumer Werk leitete – besser hätte die Nachfolge des Briten Nick Reilly aus Sicht der Mitarbeiter kaum gelöst werden können.
Aus Sicht von General Motors allerdings erwies sich die Wahl des heute 56-Jährigen als Fehler. Denn Stracke verfolgte das Ziel, die längst beschlossene radikale Sanierung bei Opel möglichst ohne Blutvergießen abzuwickeln. Dieser Versuch musste wohl scheitern – zumindest mit amerikanischen Eigentümern. Anfang Juni noch präsentierte Stracke seinen Sanierungsplan, der vor allem auf Investitionen in neue Modelle beruhte. GM-Chef Dan Akerson hatte anderes erwartet. Das Konzept hätte bedeutet, dass Opel noch jahrelang dreistellige Millionenverluste einfahren würde. GM hätte erneut milliardenschwere Investitionen vorschießen müssen.Deshalb schickte Akerson den Opel-Chef bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 17. Juli in die Wüste. Seine Nachfolge trat interimsweise Thomas Sedran (47) an, ein Automobilexperte des Beratungsunternehmens Alix Partners. Stracke konnte dies kaum überrascht haben. Er selbst hatte mehrfach deutlich gemacht, dass er ordentlich Feuer aus Detroit erhält. Dennoch redete der integre Ingenieur immer wieder über neue Produkte und Technolgien. Zugleich raste Opel mit Vollgas immer tiefer in die Verlustzone. Im ersten Halbjahr 2012 brach der Absatz im Heimatmarkt um bittere 9,3 Prozent ein, während der Markt leicht um 0,7 Prozent zugelegt hatte. So reichte es nur für eine 15-monatige Episode als einer der vielen Vorstandsvorsitzenden der traditionsreichen Marke mit dem Blitz.Gescheiterter Hoffnungsträger
Karl-Friedrich Stracke kann man nicht vorwerfen, bei seinem Start als Vorstandsvorsitzender von Opel im April 2011 einen Posten als Frühstücksdirektor angetreten zu haben. Opel war damals jede Woche in den Schlagzeilen – und die Perspektiven der Rüsselsheimer waren alles andere als rosig.