Dearborn/Köln. Stark rückläufige Verkäufe in Europa haben bei Ford im zweiten Quartal für einen starken Gewinneinbruch gesorgt und könnten zu harten Einschnitten führen. Selbst über die Schließung eines Ford-Werkes in Europa diskutieren Branchenanalysten inzwischen. In Nord-Amerika aber fuhr Ford weiter hohe Gewinne ein.
Im zweiten Quartal fuhr der US-Autobauer in seinem Europageschäft einen operativen Verlust von 404 Millionen Dollar ein (332 Millionen Euro). Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen hier noch 176 Millionen Dollar verdient. In Nord-Amerika dagegen kletterte der Gewinn vor Steuern leicht auf 2,0 Milliarden Dollar nach einem Plus von 1,9 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Insgesamt kam der Konzern damit auf einen Vorsteuergewinn von 1,8 Milliarden Dollar nach 1,0 Milliarden Dollar im Vergleichszeitraum.
Im Gesamtjahr dürfte in Europa ein Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar anfallen, schätzte Ford am Mittwoch. Die Situation sei "sehr sehr ernst", sagte Finanzchef Bob Shanks. Die Probleme der Industrie seien struktureller Natur.Außerdem reagierten viele Wettbewerber "sehr sehr preisaggressiv" am Markt, fügte er hinzu.
Im Klartext: Es herrschen wie auch bei fast allen anderen Volumenherstellern in Europa Überkapazitäten.Jüngst waren deshalb bereits Spekulationen aufgekommen, Ford könnte ein Werk schließen. Dazu hatten zumindest mehrere Branchenanlysten angesichts der anhaltenden Marktschwäche in Europa geraten.
Es gebe in Europa zweifellos Überkapazitäten, sagte dazu Finanzchef Shanks. Wie Ford reagieren werde, ließ er aber offen. «Es ist zu früh, um im Detail über unsere Pläne zu reden, wie wir auf die Situation in Europa reagieren können.»
Ein Sprecher von Ford of Europa sagte der Automobilwoche, Ford werde auch in der aktuell schwierigen Marktlage seine Produktion an die Nachfrage anpassen. Dem Preisdruck versuche Ford weitestgehend aus dem Weg zu gehen, in dem weiterhin viele Neuheiten auf den Markt gebracht würden und indem die Marke weiter gestärkt werde. "Wir haben für die zweite Jahreshälfte 2012 noch eine Menge neuer Modelle und neuer Technologien auf Lager." Wachstum gebe es auch in Russland im Joint Venture Ford Sollers.