München. Medienberichten zufolge steht Stefan Jacoby, CEO von Volvo, kurz vor einem Wechsel zur angeschlagenen GM-Tochter Opel. Das schreibt die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri - allerdings ohne Nennung von Quellen. Demnach gehört Jacoby zu den aussichtsreichsten Kandidaten für den Chefposten von Opel/Vauxhall. Der schwedische Autobauer Volvo hingegen dementierte die Meldung umgehend. "Herr Jacoby ist voll und ganz mit der Leitung von Volvo ausgelastet und plant nicht, die Unternehmensleitung abzugeben", so ein Sprecher. Dem Medienbericht zufolge wird auch Bo Andersson, Präsident der russischen GAZ-Gruppe, als Stracke-Nachfolger gehandelt.
Derweil befindet sich Opel weiterhin in der Abwärtsspirale. Nach dem zweiten Quartal steht fest: Opel bremst seinen Mutterkonzern General Motors weiterhin aus. Das Europageschäft von GM, zu dem neben Opel auch Vauxhall zählt, machte in den ersten sechs Monaten des Jahres einen operativen Verlust von 361 Millionen Dollar, umgerechnet 294 Millionen Euro. "In der Vergangenheit haben wir nicht schnell genug reagiert, um die Dinge zu ändern, die wir ändern konnten", sagte GM-Konzernchef Dan Akerson in einer Telefonkonferenz. Schon werden Gerüchte laut, dass Akerson und seine rechte Hand Girsky zu noch tieferen Einschnitten bereit sind. Mitte Juli musste Firmenchef Stracke seinen Posten räumen, seitdem sitzt Strategievorstand Thomas Sedran am Steuer - allerdings nur solange, bis ein geeigneter Stracke-Nachfolger gefunden ist. Darüber hinaus wurden in den vergangenen Wochen große Teile des Opel-Managements ersetzt. Gemeinsam mit den Gewerkschaften berät die neue Führung über weitere Sanierungsmaßnahmen. "Wir hoffen, dass wir irgendwann im Herbst eine umfassende Vereinbarung haben", sagte Akerson. Ziel ist es, die Kosten in der Produktion zu senken, zudem soll auch die Bürokratie reduziert werden. Angesichts der sinkenden Verkaufszahlen und steigender Kosten heißt es auch immer wieder, dass das Bochumer Opel-Werk weiterhin von einer Schließung bedroht ist. Davon will der zuständige Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel nichts wissen. Bei den Mitte Juni aufgenommenen Gesprächen über die Zukunft aller deutschen Standorte gehe es um eine langfristige Perspektive und nicht um Schließungen von Standorten, so Einenkel. Im Anschluss an die am 19. August endenden Werksferien sei eine Fortsetzung der Gespräche geplant. Dazu habe der Bochumer Betriebsrat bereits «sehr konstruktive Vorschläge» für eine Perspektive des Werks vorgelegt.Gerüchte über Stracke Nachfolge
Volvo dementiert Jacoby-Wechsel
Medienberichten zufolge soll Volvo-CEO Stefan Jacoby beim finanziell schwer angeschlagenen Autobauer Opel in die Fußstapfen von Karl-Friedrich Stracke treten. Der Ex-VW-Manager kennt sich mit Krisen aus - auch bei Volvo lief nicht immer alles rund.
Jacoby liebt persönliche Herausforderungen
Auch der schwedische Autobauer Volvo musste in der Vergangenheit einige Krisen meistern. Ende Januar 1999 ging Volvo in den Besitz von Ford über – für einen Gegenwert von 6,45 Milliarden US-Dollar.
Die Finanzkrise ging ebenfalls nicht spurlos an dem Autobauer vor. Die schwedische Regierung unterstützte Volvo mit einer Staatsbürgerschaft über fünf Milliarden Kronen, umgerechnet 445 Millionen Euro. Mit dieser Absicherung sollte dem Unternehmen zu einem Kredit der Europäischen Investitionsbank verholfen werden.Kurz drauf, im März 2010, trennte sich Ford von Volvo. Neuer Volvo-Eigentümer ist seitdem Geely. Seit August 2010 steht Jacoby, ein Ex-Volkswagen-Manager, an der Spitze des schwedischen Autobauers. Der Grund für seinen Wechsel: der Wunsch nach persönlichen Herausforderungen. "Die Marke Volvo mag ein wenig verblasst sein, besitzt aber große Entwicklungsmöglichkeiten. Ihre Werte Qualität, Haltbarkeit, automobile Sicherheit und "Made in Sweden" existieren noch, müssen aber neuen Glanz erhalten. Es geht um die Wiederbelebung des skandinavischen Charmes.", so Jacoby gegenüber "Welt Online". (Foto: Volvo)
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