München. Die einstmals führende US-Zulieferindustrie hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung verloren. Laut einer Untersuchung der jungen Münchner Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors mit dem Titel „Global Top Automotive Suppliers“ haben sich deutsche Zulieferer im abgelaufenen Jahrzehnt deutlich von ihren US-Konkurrenten absetzen können. So haben von 2000 bis 2010 deutsche Unternehmen unter den weltweit 100 größten Zulieferern ihren Umsatz um 227 Prozent steigern können. Allen voran Continental mit einem Plus von fast 500 Prozent – einschließlich Zukäufen. Dagegen sind die USWettbewerber abgestürzt. Im Jahr 2000 waren die US-Zulieferer noch führend.
Doch ein Wachstum von gerade mal 16 Prozent in zehn Jahren hat sie auf Platz drei hinter den japanischen und deutschen Unternehmen zurückgeworfen. Von den damaligen Top-Zulieferern sind mehr als ein Drittel in die Insolvenz gegangen, manche sogar mehrfach. Symptomatisch für diese Entwicklung ist laut Untersuchung der einstmals stärkste Zulieferer der Welt, Delphi. Nur ein einziger neuer USPlayer, der Infotainmentspezialist Harman International, ist neu in die Top 100 vorgestoßen. Die Verschiebung der Wettbewerbslandschaft zwischen den Triarde-Spielern hat für Berylls klare Ursachen. Die in den 90er- Jahren aus den US-Autobauern ausgegründeten Zuliefergiganten Delphi (GM), Visteon (Ford) und American Axle (General Motors) waren auf sich alleine gestellt nicht überlebensfähig. „Nachdem die Jahre des Welpenschutzes vorbei waren, mussten sie sich dem knallharten, konzernunabhängigen Wettbewerb internationaler Zulieferer stellen – mit verheerenden Folgen“, erklärt Berylls-Geschäftsführer Jan Dannenberg.Die Gründe für das Zusammenschmelzen der einstmals starken US-Lieferantenlandschaft liegen für Dannenberg auf der Hand: „Der Niedergang der US-Autohersteller, ihr auf Preis- und Wettbewerbsdruck sowie Rabattschlachten basierendes Geschäftsmodell, die kaum ausgeprägte internationale Kundenbasis der US-Lieferanten gepaart mit einer auf kurzfristig an Quartalsergebnissen ausgerichteten Geschäftspolitik.“ Innovationen wurden mehr als kostenverursachendes, notwendiges Übel gesehen. „Nur wenige US-Zulieferer wie Johnson Controls, BorgWarner oder Goodyear haben sich gegen diesen Trend gestemmt und sind mit dem Markt gewachsen“, so Jonas Wagner, Automobilexperte von Berylls. Die deutsche Zulieferindustrie galt hingegen noch Anfang der 90er-Jahre als benachteiligt. „Hohe Faktorkosten, ein unflexibler Arbeitsmarkt und überwiegend kleine, unterkritische Unternehmensgrößen für den anstehenden globalen Wettbewerb“, listet Dannenberg auf. Eine durch die Premiumhersteller getriebene Innovationskultur hat dazu geführt, dass zwei Drittel der in der Autoindustrie wichtigen Innovationen auf deutsche Unternehmen zurückzuführen sind – beispielsweise LED-Licht, Elektronik-Standardisierung und aktive Fahrerassistenzsysteme. Auch haben deutsche Zulieferer ihre Kostennachteile konsequent durch Effizienzsteigerungen in der Entwicklung und Produktion sowie Investitionen in Niedriglohnstandorten Osteuropas ausgleichen können, heißt es in der Untersuchung. „Made in Germany ist in den Wachstumsmärkten ein Qualitätssiegel“, so Dannenberg.US-Zulieferer verlieren Anteile
Die einstmals führende US-Zulieferindustrie hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung verloren. Laut einer Untersuchung der jungen Münchner Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors mit dem Titel "Global Top Automotive Suppliers“ haben sich deutsche Zulieferer im abgelaufenen Jahrzehnt deutlich von ihren US-Konkurrenten absetzen können.